Discussion:
Schweiz: Schuldspruch nach Granges-Marnand-Unfall von 2013
Add Reply
Patrick Rudin
2017-10-31 13:12:31 UTC
Antworten
Permalink
Raw Message
Im Waadtland gab es heute einen Schuldspruch (bedingte Geldstrafe) wegen
fahrlässiger Tötunng gegen einen Lokführer. Es ging um den
Rotlicht-Unfall von Granges-Marnand im Sommer 2013.

http://www.lenouvelliste.ch/articles/suisse/drame-de-granges-marnand-le-conducteur-de-train-ecope-de-90-jours-amende-avec-sursis-712375

Der Lokführer sagte offenbar vor Gericht, er habe ein grünes Signale
gesehen, abgenommen hat man ihm das nicht.


Grüsse

Patrick
U***@web.de
2017-10-31 16:35:46 UTC
Antworten
Permalink
Raw Message
Moin,
Post by Patrick Rudin
Im Waadtland gab es heute einen Schuldspruch (bedingte Geldstrafe)
Verwarnung mit Strafvorbehalt gibt es in D für
fahrlässige Tötung m.W. eher seltenst.

Gruß, ULF
Patrick Rudin
2017-10-31 17:35:12 UTC
Antworten
Permalink
Raw Message
Post by U***@web.de
Verwarnung mit Strafvorbehalt gibt es in D für
fahrlässige Tötung m.W. eher seltenst.
Vor der Revision 2007 hätte das eine bedingte Freiheitsstrafe von drei
Monaten gegeben. Seither ist bis 6 Monate die Geldstrafe der Default,
drei Monate entsprechen 90 Tagessätzen. Maximal wären bei diesem
Tatbestand 36 Monate Freiheitsstrafe möglich.

Auch "bedingt" ist der Default (zumindest unterhalb von 24 Monaten,
zwischen 24 und 36 Monaten gibt es den fragwürdigen Bereich des
teilbedingten Strafvollzuges).

Nicht erwähnt sind die Verfahrenkosten, die der Mann mit dem
Schuldspruch auch übernehmen muss, die dürften locker fünfstellig sein.
Plus die Zivilforderungen von Angehörigen und Verletzten.

Bei Fahrlässigkeitsdelikten mit schweren Folgen wird regelmässig darüber
diskutiert, wie spürbar die Sanktion für den Täter sein soll.

Hier ist neulich ein Autofahrer mit 0.3 Promille im Blut und leicht
übersetzter Geschwindigkeit nachts eingenickt, Gegenfahrbahn,
Frontalkollision, Fahrerin im entgegenkommenden Auto tot. Das gab 80
Tagessätze, war also von der Strafzumessung her in derselben Liga.

Beim Lokführer war die Einsatzstrafe sicher höher, weil an einen
ausgebildeten Lokführer höhere Anforderungen gestellt werden als an den
durchschnittlichen Autofahrer. Zu seinen Gunsten wiederum hat man sicher
berücksichtigt, dass er seinen Job bei den SBB verloren hat.

Sein Anwalt wird gesagt hat: "Was bringt das jetzt noch, ihn zu
bestrafen?". Und die Opfer werden gesagt haben: "Nur eine bedingte
Geldstrafe für sowas??".


Gruss

Patrick
U***@web.de
2017-11-12 09:37:38 UTC
Antworten
Permalink
Raw Message
Moin,
Post by U***@web.de
Verwarnung mit Strafvorbehalt gibt es in D für
fahrlässige Tötung m.W. eher seltenst.
Mehr als eine ("unbedingte") Geldstrafe hingegen auch eher selten.
Fachanwalt Säverin stellt das für Verkehrsunfälle durchaus abweichend dar: https://www.anwalt-berlin.de/verkehrsunfall-mit-koerperverletzung-oder-toetung/

Gruß, ULF

Ulrich Onken
2017-10-31 18:10:51 UTC
Antworten
Permalink
Raw Message
Post by Patrick Rudin
Der Lokführer sagte offenbar vor Gericht, er habe ein grünes Signale
gesehen, abgenommen hat man ihm das nicht.
Erstaunlich ist ja schon, dass er nicht nur ein grünes Signal gesehen
haben will, sondern dass das vorher rote Gruppenausfahrsignal B in
Richtung Moudon auf grün gewechselt habe - etwa eine Minute, nachdem der
Fahrgastwechsel beendet war. Siehe Abschnitt 1.2.2 im SUST-Unfallbericht:

https://www.sust.admin.ch/inhalte/BS/2013072902_SB.pdf

Das Gruppenausfahrsignal ist allerdings etwa 400 m vom Halteort der
Regionalzüge entfernt (3.1.1), den näher gelegenen Abfahrtsanzeiger für
das eigene hat der Lokführer offenbar nicht als "an" wahrgenommen.

Grüsse
Uli
Thorsten Klein
2017-11-12 00:47:02 UTC
Antworten
Permalink
Raw Message
Post by Patrick Rudin
Der Lokführer sagte offenbar vor Gericht, er habe ein grünes Signale
gesehen, abgenommen hat man ihm das nicht.
Warum soll man ihm das nicht abnehmen? Vielleicht war ja auch irgendwo
ein grünes Signal zu sehen ;-)
Solang er keine Einhörner sieht....
Volker Borchert
2017-11-12 04:42:04 UTC
Antworten
Permalink
Raw Message
Post by Thorsten Klein
Post by Patrick Rudin
Der Lokführer sagte offenbar vor Gericht, er habe ein grünes Signale
gesehen, abgenommen hat man ihm das nicht.
Warum soll man ihm das nicht abnehmen? Vielleicht war ja auch irgendwo
ein grünes Signal zu sehen ;-)
Solang er keine Einhörner sieht....
Solange er nicht versucht, ihnen auszuweichen...
--
"I'm a doctor, not a mechanic." Dr Leonard McCoy <***@ncc1701.starfleet.fed>
"I'm a mechanic, not a doctor." Volker Borchert <***@despammed.com>
Loading...