Discussion:
Zugunglück Marienberg 1947?
(zu alt für eine Antwort)
Dieter Grunert
2006-09-11 14:08:13 UTC
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Raw Message
Hallo Freunde,
letztes Wochenende wurde die Strecke Pockau-Marienberg zum Tag der Sachsen
wiedereröffnet.
Bei meinem Besuch erzählte mir ein älterer Einheimischer eine wilde Story
über ein spektakuläres Zugunglück.
Etwa 1947 sei ein russischer Militärzug mit Panzern von Komotau über den
Erzgebirgskamm gefahren worden, ohne funktionsfähige Bremsen.
Im Felseinschnitt bei Hüttengrund haben sich dann infolge der hohen
Geschwindigkeit die Geschütztürme gedreht und die Kanonen im Fels verklemmt.
Der Zug wurde abgeräumt.
Ich habe darüber noch nie etwas gelesen oder gehört.
Weis jemand Genaueres? Ist das irgendwo beschrieben?
Für eure Hinweise würde ich mich freuen!
Dieter
b***@googlemail.com
2017-08-13 19:54:21 UTC
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Raw Message
Hallo Dieter,
Folgendes: Der Krieg ist gerade erst vorbei... es ist die Nacht vom 30. zum 31.Mai 1945. Von Tschechien aus kommend setzt sich ein Zug in Gang, schwer beladen mit Panzern und jeder Menge russischer Soldaten, die auf dem Weg zurück in die Heimat sind.

Die Strecke führt von Prag nach Chemnitz und von dort aus soll es dann weiter Richtung Osten gehen. An der deutsch-tschechischen Grenze, am Haltepunkt Reitzenhain, warnt der dortige Bahnhofsvorsteher noch, der Zug sei völlig überladen, was aufgrund des starken Streckengefälles, speziell zwischen Reitzenhain und Pockau, sehr gefährlich werden könnte. Man hört nicht auf ihn...

Kurz vor Marienberg versagen tatsächlich die Bremsen, der Zug rast jetzt völlig unkontrollierbar, mit immer höheren Tempo und einem riesigen Funken- & Feuerschweif durch die Nacht. Für einen Beobachter muss das ein gespenstiger Anblick gewesen sein.

Wenige Minuten später in einer langgezogenen Linkskurve in Marienberg-Hüttengrund reißt der Zug auseinander und kracht gegen die Felsen.

Sie Stelle, wo der Zug damals verunglückte... von Marienberg kommend am zweiten Bahnübergang in Hüttengrund und dann etwa 150 Meter nach rechts die Bahnschienen entlang.

Viele der Soldaten werden durch die Wucht des Aufpralls gegen die Felsen geschleudert oder geraten unter die umstürzenden Waggons und Panzer. Über die Anzahl der Toten und Verletzten wurde Stillschweigen verhängt, aber mein Großvater, der damals gleich nebenan wohnte, sagte, man hätte 20 Särge ausgeladen. Im Haus meines Großvaters, das damals eine Tischlerei beherbergte (heute Café am Stollen), wurde ein provisorisches Lazarett eingerichtet und viele der Verletzten dorthin gebracht.

Die, die das Unglück halbwegs überstanden hatten, machten sich während der zwei Wochen dauernden Aufräumarbeiten in den umliegenden Häuser breit. Sie beschlagnahmten quasi die Wohnungen, blieben aber den Anwohnern gegenüber ausgesprochen fair und behandelten vor allem die Kinder sehr liebevoll... ein Krieg gebiert eben nicht nur Monster.

Gruß Benno
Andreas Nitschke
2017-09-05 17:45:45 UTC
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Raw Message
Dazu ist ein Artikel in der Zeitung "Freie Presse" unter:
https://www.freiepresse.de/RATGEBER/ONKEL-MAX/Was-hatte-es-mit-dem-Zugunglueck-1945-im-Huettengrund-auf-sich-artikel9978333.php
nachlesbar.

2006 wurde der ningerichtete Linus Kaden rehabilitiert.


Grüße von
Andreas Nitschke

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