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[RB] Oslo--Prag
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Martin Hoffmann
2007-04-14 12:40:29 UTC
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Heisann,

mit dem Flugzeug ist Prag im besten Fall zweieinhalb Stunden von Oslo
entfernt. Langweilig. Mit der Bahn beginnt das Abenteuer schon beim
Ticketkauf. Man könnte es auch Spießroutenlauf nennen, es sei denn, Geld
spielt keine Rolle.

Da es das aber tat (schließlich muss man das Ganze ja dem Chef
verkaufen), trafen wir uns an einem Samstagmorgen im März mit insgesamt
zwölf Fahrscheinen auf dem Osloer Hauptbahnhof. Der Vormittagszug nach
Göteborg, samstags fährt er netterweise erst um 9 Uhr statt um früh um
7, war bereits als zum Einsteigen bereit angezeigt. Am Bahnsteig jedoch
gähnende Leere. Stattdessen eine Ansage, dass ein Lokalzug aus Mysen
und ein solcher nach Ski heute ausfallen. Unglücklicherweise ist das
unsere Richtung. Glücklicherweise nennt eine weitere Ansage auch den
Grund: Personalmangel. Etwas später schiebt sich unsere Einheit BM73B an
den Bahnsteig.

Pünktlich geht es los. Wir haben es uns an einem Tisch bequem gemacht und
frühstücken erst einmal. Um 11.13 Uhr passieren wir unsere erste Grenze.
Göteborg erreichen wir pünktlich um 12.50 Uhr. Zwar könnte man jetzt mit
einem Öresundzug dirket nach Kopenhagen fahrn, nimmt man stattdessen aber
den X2000 und steigt in Malmö um, drittelt sich der Fahrpreis.

Außerdem hat der X2000 etwas, das die Deutsche Bahn und T-Systems gerade
für Millionen aufzubauen versuchen: Internet an Bord. Das ganze ist nicht
ganz billig, 69 SEK (also ungefähr 8 EUR) pro Stunde. Für lau kommt man
immerhin auf die Website der SJ und erhält eine Karte mit der aktuellen
Position des Zuges. Außerdem kann man online Zeit einkaufen. Dummerweise
besteht das System auf eine schwedische Mobilfunknummer, an die es dann
den Zugangscode SMSen will. Kaufe ich meine Zeit halt im Bordbistro.
Der Zugang funktioniert erstaunlich gut. Bandbreite ist meist okay,
allerdings macht die hohe Latency interaktive Anwendungen zu einem
Geduldsspiel. SSH macht nicht wirklich Spaß.

Kurz vor der kleinen schwedischen Ortschaft Höör meldet sich der Lokführer
und verkündet, dass ihm der Strom ausgegangen sei. Wir würden in den
nächsten Bahnhof rollen und dann mal schauen. Das tun wir und bald meldet
sich das Personal mit der Neuigkeit, dass der Strom zwar wieder da sein,
der Zug aber hinreichend kaputt. Busse sind bestellt, wir mögen bitte
warten. Gut dass wir in Kopenhagen reichlich Übergangszeit haben.

Weitere Ansagen erfolgen in regelmäßigen Abständen, enthalten aber nichts
neues. Nach ungefähr einer halben Stunde verkündet man dann, dass das mit
dem Bus vielleicht keine gute Idee war. Am anderen Bahnsteig würde in
Kürze in Regionalzug nach Malmö fahren, wir mögen bitte diesen nehmen.
Beim Umsteigen besteht dann die Möglichkeit, die Ursache der Verzögerung
zu betrachten. Der obere Teil des Stromabnehmers ist sauber weggerissen:

Loading Image...

Mit dem Regionalzug erreichen wir Malmö 45 Minuten verspätet.

Der nächstbeste Öresundzug bringt uns nach Kopenhagen. Dort kaufen wir
Bier und Sandwiches für den Abend ein und begeben uns dann hinunter zu
Gleis 8 wo der mittlerweile dreiteilige Nachtzug bereits bereitsteht.

Im Doppelstock-Schlafwagen haben wir Plätze 101 und 105. Die sind genau
über den Lüftern der Klimaanlage und mithin ein wenig laut. Die
Konstruktion ist nicht wirklich gelungen -- entweder man hat ein Abteil
auf dem Drehgestell oder auf dem Lüfter. Ein weiteres Manko sind die
fehlenden Steckdosen. Dafür sind die Fenster im Dach ein wunderbares
Detail.

Nach Abfahrt begeben wir uns ins Bistro. Allerdings sind eine ganze Menge
Mitreisende auf die selbe Idee gekommen, so dass wir für unsere Nürnberger
Bratwürschtel ewig anstehen müssen. Das dauert umso länger, als die
Bedienung alle Verkäufe fein säuberlich von Hand in ein Kassenbuch
eintragen muss. Für Kreditkartenzahlung kommt die gute alte
Ritsch-Ratsch-Maschine zum Einsatz.

Nach dem Abendessen vertilgen wir unsere eigenen Biervorräte im Abteil. Um
22.21 Uhr überqueren wir unsere dritte Grenze und wechseln nach
Deutschland. Zeit, schlafen zu gehen.

* * *

Kurz nach 6 Uhr früh weckt uns die Schlafwagenschaffnerin mit frischen
Kaffee und Frühstück. Bei meiner letzten Schlafwagentour gab es das
Frühstück noch auf einem Porzellanteller und den Kaffee aus einer
richtigen Tasse. Jetzt erhält man einen Pappkarton und einen ebensolchen
Becher. Dafür ist das Frühstück wieder etwas mehr geworden.

In Nürnberg sind wir sieben Minuten zu spät, trotzdem haben wir Kaffee und
mehr Frühstück organinisiert lange bevor unser RE nach Schwandorf aus Hof
eintrifft. Er entpuppt sich als ein Päärchen 610. Der eine fährt nach
Weiden, der andere via Schwandorf nach Regensburg. Welcher welcher ist,
müssen wir den Tf fragen. Die Zugzielanzeiger sind noch zum
selberstecken und das dauert eine Weile.

Eine Stunde später sind wir dann in Schwandorf und steigen das letzte Mal
um. Den Zug nach Prag bringt der RE nach Leipzig mit. Die Fuhre kommt als
218er-Sandwich mit je vier ex-IR-Wagen nach Prag und Leipzig. Da nach Prag
in Schwandorf eh Kopf gemacht werden muss, bietet sich dass an. Ob die
218 am Zugende jedoch "scharf" war, ist fraglich. Während wir in den nun
ersten Wagen einsteigen, wirft sie gerade ihren Diesel an. Den Weg hinauf
nach Furth klingt die Eisenbahn dann auch weniger nach Omnibus. Das
bessert sich noch einmal, als in Furth die tschechische Maschine an den
Zug kommt. Für Lokwechsel und Passkontrolle sind zwölf Minuten vorgesehen
und reichen auch.

Auf der tschechischen Seite ist die Strecke nagelneu. In Domazlice wird
der Zug ordentlich voll und wir dürfen uns für den Rest der Fahrt
einheimische Popmusik nahezu ungedämpft aus einem Kopfhörer anhören.
In Plzen tauschen wir nach einmal die Lok bevor es über Horovice und
Beround nach Prag geht. Dort kommen wir nach knapp 28 Stunden Bahnfahrt
mit nur zehn Minuten Verspätung an.

Dass es auch anders ausgehen kann, wird die Rückfahrt eine Woche später
zeigen...

Gruß,
Martin
Bodo G. Meier
2007-04-15 15:33:19 UTC
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Hei!

Danke für den interessanten Bericht.
Post by Martin Hoffmann
Pünktlich geht es los. Wir haben es uns an einem Tisch bequem gemacht und
frühstücken erst einmal. Um 11.13 Uhr passieren wir unsere erste Grenze.
Göteborg erreichen wir pünktlich um 12.50 Uhr. Zwar könnte man jetzt mit
einem Öresundzug dirket nach Kopenhagen fahrn, nimmt man stattdessen aber
den X2000 und steigt in Malmö um, drittelt sich der Fahrpreis.
Wirklich *drittelt*? Erstaunlich...!
Ich habe gerade versucht, das für den 21. April und 2. Klasse auf
www.sj.se nachzuvollziehen.
Da wird mir einmal um 13:27 X2000 ab Gtbg bis Malmö mit Umsteigen nach
Kopenhagen, an 17:17 für 552 SEK (Just-nu 277 SEK) angeboten. Und dann
der direkte Öresundszug um 13:35 ab Gtbg nach Kopenhagen, an 17:37 für
388 SEK (Just-nu nicht verfügbar).

Welchen Trick habt Ihr angewendet? Gestückelt SJ-Tarif bis Malmö und von
dort mit Skånetrafiken Gruppenticket nach Kopenhagen?

Gruss,
Bodo
--
Bodo G. Meier * dr. rer. nat. * Trondheim * Norway
URL: http://privat.bluezone.no/bodo.meier/
Martin Hoffmann
2007-04-15 15:56:13 UTC
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Post by Bodo G. Meier
Post by Martin Hoffmann
Pünktlich geht es los. Wir haben es uns an einem Tisch bequem gemacht und
frühstücken erst einmal. Um 11.13 Uhr passieren wir unsere erste Grenze.
Göteborg erreichen wir pünktlich um 12.50 Uhr. Zwar könnte man jetzt mit
einem Öresundzug dirket nach Kopenhagen fahrn, nimmt man stattdessen aber
den X2000 und steigt in Malmö um, drittelt sich der Fahrpreis.
Wirklich *drittelt*? Erstaunlich...!
Jupp. Zu beidem ;-)
Post by Bodo G. Meier
Ich habe gerade versucht, das für den 21. April und 2. Klasse auf
www.sj.se nachzuvollziehen.
Da wird mir einmal um 13:27 X2000 ab Gtbg bis Malmö mit Umsteigen nach
Kopenhagen, an 17:17 für 552 SEK (Just-nu 277 SEK) angeboten. Und dann
der direkte Öresundszug um 13:35 ab Gtbg nach Kopenhagen, an 17:37 für
388 SEK (Just-nu nicht verfügbar).
Du bist wahrscheinlich zu spät dran. Das Ticket im X2000 hat für Göteborg--
København 125 SEK pro Person gekostet. Das war aber auch wenigstens
vier, wenn nicht gar sechs Woche vorneweg.

Gruß,
Martin
Thomas Schönenkorb
2007-04-17 20:00:30 UTC
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Post by Martin Hoffmann
Weitere Ansagen erfolgen in regelmäßigen Abständen, enthalten aber nichts
neues. Nach ungefähr einer halben Stunde verkündet man dann, dass das mit
dem Bus vielleicht keine gute Idee war. Am anderen Bahnsteig würde in
Kürze in Regionalzug nach Malmö fahren, wir mögen bitte diesen nehmen.
Beim Umsteigen besteht dann die Möglichkeit, die Ursache der Verzögerung
http://ietf68.partim.de/gfx/broken-pantograph.jpg
Nett, mit so etwas kam neulich die schiebende 112 des verspäteten RE
nach Krefeld in Dormagen an. Auf meine Bemerkung an den KiN, dass man
damit sicher nicht mehr weit komme, erwiderte dieser nur, dass man wegen
der Verspätung ohnehin nur bis Neuss wolle und fertigte den Zug ab. Der
Lokführer, der sich wunderte, dass sein Hauptschalter 'rausgeflogen war,
konnte mit meinem Hinweis dann schon etwas mehr anfangen und war
dankbar, dass er nicht lange suchen musste, wo die Ursache war.

Den führenden 423er-Triebzug einer S 11 hatte es übrigens auch erwischt
und seither weiß ich, dass bei einer 423er-Doppelgarnitur mit nur einem
Stromabnehmer der führende Tw als Steuerwagen fährt, bei der im ersten
Tw weder Licht noch Klima noch Heizung funktioniert und das gesamte
Gespann ziemlich schwach auf der Brust ist...
Post by Martin Hoffmann
Dass es auch anders ausgehen kann, wird die Rückfahrt eine Woche später
zeigen...
Dürfen wir teilhaben?

Danke und Gruß, Thomas
Martin Hoffmann
2007-04-18 07:42:43 UTC
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Post by Thomas Schönenkorb
Post by Martin Hoffmann
http://ietf68.partim.de/gfx/broken-pantograph.jpg
Nett, mit so etwas kam neulich die schiebende 112 des verspäteten RE
nach Krefeld in Dormagen an. Auf meine Bemerkung an den KiN, dass man
damit sicher nicht mehr weit komme, erwiderte dieser nur, dass man wegen
der Verspätung ohnehin nur bis Neuss wolle und fertigte den Zug ab.
"Mit der Kelle wedeln hilft da nichts, Sie werden schon schieben gehen
müssen."
Post by Thomas Schönenkorb
Post by Martin Hoffmann
Dass es auch anders ausgehen kann, wird die Rückfahrt eine Woche später
zeigen...
Dürfen wir teilhaben?
Ja. Der Satz war als Teaser gemeint. Muss mal eine ruhige Minute finden
und den Bericht zusammenschreiben.

Gruß,
Martin
Martin Hoffmann
2007-04-22 10:26:35 UTC
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Post by Martin Hoffmann
mit dem Flugzeug ist Prag im besten Fall zweieinhalb Stunden von Oslo
entfernt. Langweilig.
Hier der zweite Teil. Überraschenderweise handelt er von der Rückfahrt.

* * *

Nachdem wir uns eine Wochen lang mit tschechischem Bier, Schweinsbraten
und Knedliki vollgestopft und ansonsten vor lauter Arbeit kaum etwas von
Prag gesehen haben, ist es einen Samstag später Zeit, die Heimreise
anzutreten. Bei der Planung derselben habe ich vergessen zu erwägen, dass
man das Hotel um 12 Uhr zu verlassen hat. Als wir im Prager Hbf
eintreffen, wird gerade der Schnellzug nach Nürnberg dreisprachig
angekündigt. Leider fährt er über Furth während unsere Fahrkarten via Cheb
lauten. Wegen der Sparpreise will mir die Dame am Schalter keine
Umwegkarten verkaufen.

Als eine gute Stunde später R754 nach Frantiskovy Lazne bereitgestellt
wird, bin ich freilich froh, nicht den aus vier deutschen IR-Wagen
gebildeten und reichlich überfüllten Direktzug genommen zu haben. Dieser
Zug hier besteht aus einer Horde Bautzner Abteilwagen im Ursprungszustand.
Holzimitierendes Sprelacart an den Wänden, rotbraunes Kunstleder auf den
Sitzbänken, Fenster die nur ganz auf oder ganz zu kennen. Ich verfalle in
glückliche Nostalgie. Als sich der Zug pünktlich um 14.19 Uhr auf den Weg
macht, wird es noch besser. Natürlich haben die Wagen noch Klotzbremsen
mit ihrem typischen Knirschen beim Einbremsen. Fast vergessene Geräusche
aus einer Zeit, als man gerne und viel gebremst hat.

Bis Plzen geht es zügig voran. Dort wird die Lok gewechselt. Fährt man
hier noch mit festen Besatzungen? Hinter Plzen ist man gerade dabei, die
Strecke zweigleisig auszubauen. Zügig geht es durch Nadelwälder. Kurze
Halte hier und da. Als wir Cheb erreichen, wird es langsam dunkel.

Wir genehmigen uns einen Kaffee im Bahnhofsbistro. Mehr Nostalgie. Das
Etablisment ist irgendwie in der "Russenzeit" steckengeblieben, komplett
mit Geschirr (dass mein Mitreisender photographiert um seiner Oma zu
zeigen, dass die hier ihre Tassen haben) und Bedienung in Dederonschürze.
Im Laden daneben tauschen wir die letzen (tschechischen) Kronen in Bier
um. Wir bezahlen ungefähr ein sechstel des norwegischen Bierpreises. Da
eine norwegische Krone drei tschechischen entspricht, ist der Betrag
trotzdem nur halb so hoch.

Ein am Bahnsteig 2 wartender Desiro der Vogtlandbahn holt uns zurück in
die Gegenwart. Wir müssen allerdings noch eine Stunde warten. Der sams-
und sonntägliche RE aus Nürnberg kommt pünktlich um 18.54 Uhr und besteht
aus einem 610. Kurz nach sieben macht er sich auf den Weg zurück nach
Nürnberg. Der Fahrplan ist entspannt: neun Minuten Aufenthalt in
Marktredwitz, sieben in Kirchenlaibach, sechs in Pegnitz.

In Nürnberg haben wir planmäßig 25 Minuten Aufenthalt. EN 482 kommt fünf
Minuten später. Wir beziehen wieder unser Abteil auf dem Lüfter. Abfahrt
ist dann schon eine viertel Stunde später. Irgendwo auf dem Weg nach
Würzburg wird gebaut und wir müssen erst Mal den Gegenverkehr durchlassen.
Würzburg dann schon mit einer halben Stunde Verspätung. Soweit kein
Problem, das fährt der Zug schon raus. Allerdings ist diese Nacht auch
Zeitumstellung. Tatsächlich haben wir also anderthalb Stunden Verspätung.

Am nächsten Morgen einige Verwirrung mit Handyuhren die sich automatisch
auf Sommerzeit umstellen. Als der Schaffner mit dem Frühstück erscheint
dann Gewissheit: Wir sind eine gute Stunde später. Mir soll's recht sein,
in Kopenhagen haben wir ein zweieinhalb Stunden Zeit. So reicht es noch
für ein zweites Frühstück und Vorratsbeschaffung.

Für den Øresundtog nach Göteborg haben wir diesmal Erstklassfahrscheine.
In diesen Zügen scheint es zweiter Klasse nur Normalpreis zu geben. Für
die erste hingegen gibt es Just Nu, die ungefähr so teuer sind wie der
Normalpreis zweiter Klasse. Schwere Entscheidung. Wir machen es uns also
in einem nahezu leeren Abteil bequem, während sich weiter hinten wie
üblich die Fahrgäste stapeln.

Wir erreichen Schweden und der Lokführer begrüßt uns dort -- mit der
Mitteilung, dass es bei Lund einen Unfall gegeben hätte und dieser Zug
heute in Malmö endet. Von dort dann Busersatz. Fein. Wir begeben uns also
ins Reisezentrum, wo die gezogene Nummer so ungefähr fünfzig Nummern
entfährt ist. Die Mannschaft entledigt sich allerdings bald der meisten
dieser Nummern mit allgemeinen Ansagen. Ja, es gibt einen Bus. In einer
Stunde. Oder so. Das reicht in keinem Fall für unseren Übergang in
Göteborg. Ich spreche also mit meinem Anliegen vor.

Die Standardlösung ist ein Bus nach Göteborg und dort dann Hotel.
Allerdings machen unsere Fahrscheine die Sache ein wenig schwierig. Wir
haben Tickets von SJ nur bis Göteborg und dann NSB. Dessen ungeachtet
versucht die Verkäuferin eine Lösung zu finden. Ich brauche meinen
Einwand, dass ja schlechterdings nicht meine Schuld ist, dass man nur auf
diese Weise vernünftige Fahrpreise zu Stande bekommt, eigentlich nicht
anbringen.

Für die einfachste Lösung, mit dem X2000 via Alvesta, ist es leider schon
zu spät. Das mit dem Hotel ist weiterhin problematisch. Stattdessen
schlägt sie vor, um viertel nach fünf mit dem X2000 nach Söndertälje zu
fahren und dann mit dem Nachtzug nach Oslo. Für den X2000 gibt es erste
Klasse und für den Nachtzug leider nur noch Liegewagen. Nun gut, warum
nicht.

Das lässt uns dreieinhalb Stunden in Malmö. Das Wetter ist herrlich. Wir
gehen erst mal Pasta essen und machen es uns dann auf einer Bank am Kanal
vor dem Bahnhof bequem und lassen uns die Sonne auf den Pelz scheinen.

Die erste Klasse im X2000 ist tatächlich erstklassig. Riesige Sitze, viel
Platz, skandinaviantypisch Kaffee umsonst -- und Internet auch. Der ICE 3,
den ich eine Woche später nehmen durfte, ist da doch ein wenig
enttäuschend.

Anderthalb Stunden Sonntag spät abends in Söndertälje Syd. Das "Syd" hat
seinen Grund. Die Station liegt mitten in einem Industrieggebiet. Um diese
Zeit ist da gar nichts. Gut, dass die Batterien des Laptops voll sind.

Der Nachtzug Nummer 7 ist eine durch und durch lächerliche Angelegenheit.
Er verkehrt donnerstags und sonntags Nacht (Glück gehabt) und besteht aus
drei Wagen. Schwedische Liegewagen sind eine Ausgeburt an Platz. Die
Liegen sind ungefähr so breit wie deutsche Schlafwagenbetten. Die Abteile
sind so breit, dass es doppelflüglige Schiebetüren braucht. Das Ganze ist
obendrei eher rubust eingerichtet. Während meiner zweiten Nacht im Zug
schlafe ich deutlich besser. Das dürfte allerdings weniger den Wagen
geschuldet sein.

Pünktlich um 0634 erreichen wir überraschend Oslo. Eine Ansage gibt es
erst eine Weile nach Ankunft -- der Zug wird in zehn Minuten weggefahren,
also bitte aussteigen. Wir tun der Bahn den Gefallen. Mit dem Bus geht's
nach Hause, duschen, und dann ins Geschäft.

Aus den geplanten dreißig Stunden sind vierzig geworden. Alles in allem
ist es aber doch ganz gut gelaufen. Auf beiden Fahrten hat alles ganz gut
geklappt, mit Ausnahme der schwedischen Eisenbahn nahe Lund. Seltsam.
Vielleicht sollte ich das nächste Mal wieder DFDS nach København nehmen.

Gruß,
Martin

PS: Ein paar Tage später unterhalte ich mich mit jemandem, der am Sonntag
ebenfalls von København nach Oslo wollte. Ihn hat das Schicksal in
Lund ereilt, wo die Schalterbedienung nicht ganz so engagiert war. Er
wurde mit dem Bus nach Göteborg geschickt und sollte sich dann dort
kümmern. Von dort fuhr dann tatsächlich noch ein Bus nach Oslo, mit
einer Ankunft irgendwann mitten in der Nacht.
rvdborgt+@evonet.be (Rian van der Borgt)
2007-04-22 10:50:06 UTC
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Post by Martin Hoffmann
Wir erreichen Schweden und der Lokführer begrüßt uns dort -- mit der
Mitteilung, dass es bei Lund einen Unfall gegeben hätte und dieser Zug
heute in Malmö endet.
[...]
Post by Martin Hoffmann
Für die einfachste Lösung, mit dem X2000 via Alvesta, ist es leider schon
zu spät.
Habt ihr eine Reisemöglichkeit fahren lassen, weil ihr Schlange standet?

Grüße,

Rian
--
Rian van der Borgt, Leuven/Löwen, Belgien.
e-mail: rvdborgt+@evonet.be www: http://www.evonet.be/~rvdborgt/
Martin Hoffmann
2007-04-22 20:26:15 UTC
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Post by rvdborgt+@evonet.be (Rian van der Borgt)
Post by Martin Hoffmann
Wir erreichen Schweden und der Lokführer begrüßt uns dort -- mit der
Mitteilung, dass es bei Lund einen Unfall gegeben hätte und dieser Zug
heute in Malmö endet.
[...]
Post by Martin Hoffmann
Für die einfachste Lösung, mit dem X2000 via Alvesta, ist es leider schon
zu spät.
Habt ihr eine Reisemöglichkeit fahren lassen, weil ihr Schlange standet?
Ja. Allerdings ist mir die Möglichkeit auch erst aufgefallen, als sie
auf dem Schirm der Verkäuferin auftauchte. Wobei X2000 eh
reservierungspflichtig sind. Keine Ahnung, ob die uns mitgenommen
hätten, wenn wir da einfach am Bahnsteig aufgekreuzt wären.

Gruß,
Martin
rvdborgt+@evonet.be (Rian van der Borgt)
2007-04-22 22:19:43 UTC
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Post by Martin Hoffmann
Post by rvdborgt+@evonet.be (Rian van der Borgt)
Post by Martin Hoffmann
Wir erreichen Schweden und der Lokführer begrüßt uns dort -- mit der
Mitteilung, dass es bei Lund einen Unfall gegeben hätte und dieser Zug
heute in Malmö endet.
[...]
Post by Martin Hoffmann
Für die einfachste Lösung, mit dem X2000 via Alvesta, ist es leider schon
zu spät.
Habt ihr eine Reisemöglichkeit fahren lassen, weil ihr Schlange standet?
Ja. Allerdings ist mir die Möglichkeit auch erst aufgefallen, als sie
auf dem Schirm der Verkäuferin auftauchte.
Ah ja...
Post by Martin Hoffmann
Wobei X2000 eh
reservierungspflichtig sind. Keine Ahnung, ob die uns mitgenommen
hätten, wenn wir da einfach am Bahnsteig aufgekreuzt wären.
Ein Versuch wäre das schon wert; mehr als Nein sagen kann man nicht.

Grüße,

Rian
--
Rian van der Borgt, Leuven/Löwen, Belgien.
e-mail: rvdborgt+@evonet.be www: http://www.evonet.be/~rvdborgt/
Oliver Schnell
2007-04-24 06:13:41 UTC
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Post by rvdborgt+@evonet.be (Rian van der Borgt)
Post by Martin Hoffmann
Post by rvdborgt+@evonet.be (Rian van der Borgt)
Post by Martin Hoffmann
Wir erreichen Schweden und der Lokführer begrüßt uns dort -- mit der
Mitteilung, dass es bei Lund einen Unfall gegeben hätte und dieser Zug
heute in Malmö endet.
[...]
Post by Martin Hoffmann
Für die einfachste Lösung, mit dem X2000 via Alvesta, ist es leider schon
zu spät.
Habt ihr eine Reisemöglichkeit fahren lassen, weil ihr Schlange standet?
Ja. Allerdings ist mir die Möglichkeit auch erst aufgefallen, als sie
auf dem Schirm der Verkäuferin auftauchte.
Ah ja...
Post by Martin Hoffmann
Wobei X2000 eh
reservierungspflichtig sind. Keine Ahnung, ob die uns mitgenommen
hätten, wenn wir da einfach am Bahnsteig aufgekreuzt wären.
Ein Versuch wäre das schon wert; mehr als Nein sagen kann man nicht.
Die internationale Charta des Schienenpersonenverkehrs spricht dafür.
--
Oliver Schnell
rvdborgt+@evonet.be (Rian van der Borgt)
2007-04-24 08:33:17 UTC
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Post by Oliver Schnell
Post by rvdborgt+@evonet.be (Rian van der Borgt)
Post by rvdborgt+@evonet.be (Rian van der Borgt)
Post by Martin Hoffmann
Wir erreichen Schweden und der Lokführer begrüßt uns dort -- mit der
Mitteilung, dass es bei Lund einen Unfall gegeben hätte und dieser Zug
heute in Malmö endet.
[...]
Post by Martin Hoffmann
Für die einfachste Lösung, mit dem X2000 via Alvesta, ist es leider schon
zu spät.
Habt ihr eine Reisemöglichkeit fahren lassen, weil ihr Schlange standet?
Ein Versuch wäre das schon wert; mehr als Nein sagen kann man nicht.
Die internationale Charta des Schienenpersonenverkehrs spricht dafür.
Ich weiß. Je nach Personal oder Zugbetreiber wird man aber als
verspäteter Fahrgast in einem Reservierungs- oder Globalpreispflichtigen
Zug mehr oder weniger freundlich empfangen, bis zur Zugangsverweigerung.
Manche Bahnen brauchen da noch erhebliche Personalnachschulung, auch
beim Management: wenn man schon mehrmals drängen muss, um 2 Jahre nach
Inkrafttretung die Charta umgesetzt zu bekommen (bei NS Int so erlebt;
bei der NMBS gibt's auch noch einige Lücken, lese ich gerade im
Jahresbericht des Ombudsmannes), dann stimmt etwas nicht.

Grüße,

Rian
--
Rian van der Borgt, Leuven/Löwen, Belgien.
e-mail: rvdborgt+@evonet.be www: http://www.evonet.be/~rvdborgt/
Oliver Schnell
2007-04-24 06:12:34 UTC
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Post by Martin Hoffmann
Nachdem wir uns eine Wochen lang mit tschechischem Bier, Schweinsbraten
und Knedliki vollgestopft und ansonsten vor lauter Arbeit kaum etwas von
Prag gesehen haben, ist es einen Samstag später Zeit, die Heimreise
anzutreten. Bei der Planung derselben habe ich vergessen zu erwägen, dass
man das Hotel um 12 Uhr zu verlassen hat. Als wir im Prager Hbf
eintreffen, wird gerade der Schnellzug nach Nürnberg dreisprachig
angekündigt. Leider fährt er über Furth während unsere Fahrkarten via Cheb
lauten. Wegen der Sparpreise will mir die Dame am Schalter keine
Umwegkarten verkaufen.
War die Ausstellung des Tickets über Cheb gewollt oder ein Fehler (von
wem auch immer)?
Post by Martin Hoffmann
Die Standardlösung ist ein Bus nach Göteborg und dort dann Hotel.
Allerdings machen unsere Fahrscheine die Sache ein wenig schwierig. Wir
haben Tickets von SJ nur bis Göteborg und dann NSB. Dessen ungeachtet
versucht die Verkäuferin eine Lösung zu finden. Ich brauche meinen
Einwand, dass ja schlechterdings nicht meine Schuld ist, dass man nur auf
diese Weise vernünftige Fahrpreise zu Stande bekommt, eigentlich nicht
anbringen.
Das muss laut
http://www.bahn.de/p/view/mdb/images/kundencharta/geb_passagierrechte_charta_deutsch_f.pdf
auch nicht sein.
Post by Martin Hoffmann
Der Nachtzug Nummer 7 ist eine durch und durch lächerliche Angelegenheit.
Er verkehrt donnerstags und sonntags Nacht (Glück gehabt) und besteht aus
drei Wagen.
Das ganze Zugangebot zwischen Stockholm und Oslo ist eine lächerliche
Angelegenheit. Zwei Millionensatädte zivilisierter Länder in durchaus
bahnkompatibler Entfernung und im Grunde nur eine Verbindung pro Tag
überhaupt.
Post by Martin Hoffmann
Aus den geplanten dreißig Stunden sind vierzig geworden. Alles in allem
ist es aber doch ganz gut gelaufen. Auf beiden Fahrten hat alles ganz gut
geklappt, mit Ausnahme der schwedischen Eisenbahn nahe Lund. Seltsam.
Vielleicht sollte ich das nächste Mal wieder DFDS nach K?benhavn nehmen.
Ist die viel günstiger als Kiel - Oslo?
--
Oliver Schnell
Martin Hoffmann
2007-04-24 07:10:27 UTC
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Post by Oliver Schnell
Post by Martin Hoffmann
Nachdem wir uns eine Wochen lang mit tschechischem Bier, Schweinsbraten
und Knedliki vollgestopft und ansonsten vor lauter Arbeit kaum etwas von
Prag gesehen haben, ist es einen Samstag später Zeit, die Heimreise
anzutreten. Bei der Planung derselben habe ich vergessen zu erwägen, dass
man das Hotel um 12 Uhr zu verlassen hat. Als wir im Prager Hbf
eintreffen, wird gerade der Schnellzug nach Nürnberg dreisprachig
angekündigt. Leider fährt er über Furth während unsere Fahrkarten via Cheb
lauten. Wegen der Sparpreise will mir die Dame am Schalter keine
Umwegkarten verkaufen.
War die Ausstellung des Tickets über Cheb gewollt oder ein Fehler (von
wem auch immer)?
Die Fahrkarten waren korrekt -- ich hatte die Verbindung so angegeben.
Man fährt halt in Prag eine Stunde später weg, was man sich mit dem
zusätzlichen Umstieg in Cheb erkauft. Dafür hat man den in Nürnberg nur
eine knappe halbe statt drei Stunden.
Post by Oliver Schnell
Post by Martin Hoffmann
Die Standardlösung ist ein Bus nach Göteborg und dort dann Hotel.
Allerdings machen unsere Fahrscheine die Sache ein wenig schwierig. Wir
haben Tickets von SJ nur bis Göteborg und dann NSB. Dessen ungeachtet
versucht die Verkäuferin eine Lösung zu finden. Ich brauche meinen
Einwand, dass ja schlechterdings nicht meine Schuld ist, dass man nur auf
diese Weise vernünftige Fahrpreise zu Stande bekommt, eigentlich nicht
anbringen.
Das muss laut
http://www.bahn.de/p/view/mdb/images/kundencharta/geb_passagierrechte_charta_deutsch_f.pdf
auch nicht sein.
Die SJ kann aber behaupten, dass es sich hier nicht um eine
internationale Reise handelt oder vielmehr schon um eine, die aber in
Göteborg endet und dorthin bringt man uns ja. "Dulde und liquidiere" ist
mir in dem Kontext ein bisschen zu umständlich. Zumal in dem Dokument
noch das Wort "freiwillig" auftaucht.
Post by Oliver Schnell
Post by Martin Hoffmann
Der Nachtzug Nummer 7 ist eine durch und durch lächerliche Angelegenheit.
Er verkehrt donnerstags und sonntags Nacht (Glück gehabt) und besteht aus
drei Wagen.
Das ganze Zugangebot zwischen Stockholm und Oslo ist eine lächerliche
Angelegenheit. Zwei Millionensatädte zivilisierter Länder in durchaus
bahnkompatibler Entfernung und im Grunde nur eine Verbindung pro Tag
überhaupt.
Es gab ja eine Weile ein durchaus brauchbares Angebot. Aber von alten
Staatsbahnen zu erwarten, gegen die fliegenden Konkurrenz durchzuhalten,
ist wohl zu viel verlangt. Dabei stellt sich ja schon SAS eher
ungeschickt an.
Post by Oliver Schnell
Post by Martin Hoffmann
Aus den geplanten dreißig Stunden sind vierzig geworden. Alles in allem
ist es aber doch ganz gut gelaufen. Auf beiden Fahrten hat alles ganz gut
geklappt, mit Ausnahme der schwedischen Eisenbahn nahe Lund. Seltsam.
Vielleicht sollte ich das nächste Mal wieder DFDS nach K?benhavn nehmen.
Ist die viel günstiger als Kiel - Oslo?
Ja, zumindest wenn man allein unterwegs ist. Die Überfahrt mit DFDS
nebst eigener Kabine kommt so auf 100 EUR, bei Colorline 300.

Gruß,
Martin
Martin Hoffmann
2007-05-06 07:13:33 UTC
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Post by Oliver Schnell
Das ganze Zugangebot zwischen Stockholm und Oslo ist eine lächerliche
Angelegenheit. Zwei Millionensatädte zivilisierter Länder in durchaus
bahnkompatibler Entfernung und im Grunde nur eine Verbindung pro Tag
überhaupt.
Am Mittwoch war in Aften zu lesen, dass voraussichtlich ab Oktober zwei
Zugpaare der privaten Ofotbanen AS zwischen Oslo und Stockholm starten
werden. Eigentlich sollte das schon letztes Jahr passieren, allerdings
konnte das schwedische Banverekt keine Trassen finden. Dem hat die
schwedische Aufsichtsbehörde im März widersprochen.

Der Beschluss ist hier:

http://www.jvs.se/sv/Nyheter/Interna-nyheter/JVS-har-avgjort-tvist.aspx

Gruß,
Martin
Oliver Schnell
2007-05-07 07:23:27 UTC
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Post by Martin Hoffmann
Post by Oliver Schnell
Das ganze Zugangebot zwischen Stockholm und Oslo ist eine lächerliche
Angelegenheit. Zwei Millionensatädte zivilisierter Länder in durchaus
bahnkompatibler Entfernung und im Grunde nur eine Verbindung pro Tag
überhaupt.
Am Mittwoch war in Aften zu lesen, dass voraussichtlich ab Oktober zwei
Zugpaare der privaten Ofotbanen AS zwischen Oslo und Stockholm starten
werden. Eigentlich sollte das schon letztes Jahr passieren, allerdings
konnte das schwedische Banverekt keine Trassen finden. Dem hat die
schwedische Aufsichtsbehörde im März widersprochen.
Dürfen die dann auch Binnenverkehre befördern, was IIRC seinerzeit
ein Streitpunbkt war?
--
Oliver Schnell
Martin Hoffmann
2007-05-07 07:33:32 UTC
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Post by Oliver Schnell
Post by Martin Hoffmann
Am Mittwoch war in Aften zu lesen, dass voraussichtlich ab Oktober zwei
Zugpaare der privaten Ofotbanen AS zwischen Oslo und Stockholm starten
werden. Eigentlich sollte das schon letztes Jahr passieren, allerdings
konnte das schwedische Banverekt keine Trassen finden. Dem hat die
schwedische Aufsichtsbehörde im März widersprochen.
Dürfen die dann auch Binnenverkehre befördern, was IIRC seinerzeit
ein Streitpunbkt war?
Keine Ahnung. Aber in der Fahrplantabelle für die bereits jetzt
verkehrenden SJ-Züge steht nichts von nur ein- oder aussteigen an den
verschiedenen Halten in Norwegen und Schweden.

Gruß,
Martin
Bodo G. Meier
2007-04-24 07:07:03 UTC
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Hei!

Takk for reiseberettelsen din! :-)
Post by Martin Hoffmann
Nachdem wir uns eine Wochen lang mit tschechischem Bier,
Schweinsbraten und Knedliki vollgestopft
Hysj! ;-)
Post by Martin Hoffmann
Für den Øresundtog nach Göteborg haben wir diesmal
Erstklassfahrscheine. In diesen Zügen scheint es zweiter Klasse nur
Normalpreis zu geben.
Einen Fahrschein nur für København - Göteborg hatte ich zwar noch nie.
Wohl aber sind wir diese Strecke als Teilstrecke von København -
Göteborg (Nachtzug) - Storlien mehrfach mit Just nu-Fahrscheinen
gefahren, zuletzt im August 2005.
Post by Martin Hoffmann
Für die erste hingegen gibt es Just Nu, die ungefähr so teuer sind
wie der Normalpreis zweiter Klasse. Schwere Entscheidung. Wir machen
es uns also in einem nahezu leeren Abteil bequem, während sich weiter
hinten wie üblich die Fahrgäste stapeln.
Die Möglichkeit der 1. Klasse muss ich endlich mal in mein Hirn
reinklopfen, da wir diese Strecke auch fahren müssen, wenn der
Saisonnachtzug Malmö - Storlien nicht verkehrt. Und Deine Beobachtung
des Fahrgaststapelns in der 2. Klasse kann ich für die Öresundszüge nach
Göteborg leider nur bestätigen.
Post by Martin Hoffmann
Allerdings machen unsere Fahrscheine die Sache ein wenig schwierig.
Wir haben Tickets von SJ nur bis Göteborg und dann NSB. Dessen
ungeachtet versucht die Verkäuferin eine Lösung zu finden.
Ja, im Reisezentrum Malmö machten die Mitarbeiter in solchen Fällen auf
mich auch immer einen fitten, kundenorientierten Eindruck.
Post by Martin Hoffmann
Stattdessen schlägt sie vor, um viertel nach fünf mit dem X2000 nach
Söndertälje zu fahren und dann mit dem Nachtzug nach Oslo. Für den
X2000 gibt es erste Klasse und für den Nachtzug leider nur noch
Liegewagen. Nun gut, warum nicht.
Habt Ihr ausserdem auch noch solche "Verspätungstrostpflaster" zum
Einlösen im Bordbistro bekommen? Kann auch sein, dass es die nicht mehr
gibt und man jetzt stattdessen einen Värdebevis (Gutschein) gemäss SJ
Restidsgaranti bekommt. Den müsstet Ihr aber ggf. beantragen:
http://www.sj.se/sj/jsp/polopoly.jsp?d=3470&a=14719&l=sv
Post by Martin Hoffmann
Das lässt uns dreieinhalb Stunden in Malmö. Das Wetter ist herrlich.
Wir gehen erst mal Pasta essen
Lilla Torget? :-)
Post by Martin Hoffmann
Anderthalb Stunden Sonntag spät abends in Söndertälje Syd.
Wie romantisch. ;->

Gruss,
Bodo
--
Bodo G. Meier * dr. rer. nat. * Trondheim * Norway
URL: http://privat.bluezone.no/bodo.meier/
Martin Hoffmann
2007-04-24 14:30:22 UTC
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Post by Bodo G. Meier
Post by Martin Hoffmann
Für den Øresundtog nach Göteborg haben wir diesmal
Erstklassfahrscheine. In diesen Zügen scheint es zweiter Klasse nur
Normalpreis zu geben.
Einen Fahrschein nur für København - Göteborg hatte ich zwar noch nie.
Wohl aber sind wir diese Strecke als Teilstrecke von København -
Göteborg (Nachtzug) - Storlien mehrfach mit Just nu-Fahrscheinen
gefahren, zuletzt im August 2005.
Vielleicht geht's da ja dann wieder. Für København--Göteborg hat es
jedenfalls ungefähr sechs Wochen vor Abfahrt nur welche für den X2000
oder 1. Klasse gegeben.
Post by Bodo G. Meier
Habt Ihr ausserdem auch noch solche "Verspätungstrostpflaster" zum
Einlösen im Bordbistro bekommen?
Neh, wohl weil Vollpreisticket 1. Klasse oder sowas.
Post by Bodo G. Meier
Kann auch sein, dass es die nicht mehr
gibt und man jetzt stattdessen einen Värdebevis (Gutschein) gemäss SJ
http://www.sj.se/sj/jsp/polopoly.jsp?d=3470&a=14719&l=sv
Ach, irgendwie hab' ich keine Lust. Schließlich hat's ja eh die Firma
bezahlt ;-)
Post by Bodo G. Meier
Post by Martin Hoffmann
Das lässt uns dreieinhalb Stunden in Malmö. Das Wetter ist herrlich.
Wir gehen erst mal Pasta essen
Lilla Torget? :-)
Jupp.

Gruß,
Martin
U***@web.de
2020-10-07 08:57:27 UTC
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Post by Martin Hoffmann
Hier der zweite Teil. Überraschenderweise handelt er von der Rückfahrt.
* * *
Nachdem wir uns eine Wochen lang mit tschechischem Bier, Schweinsbraten
und Knedliki vollgestopft und ansonsten vor lauter Arbeit kaum etwas von
Prag gesehen haben, ist es einen Samstag später Zeit, die Heimreise
anzutreten. Bei der Planung derselben habe ich vergessen zu erwägen, dass
man das Hotel um 12 Uhr zu verlassen hat. Als wir im Prager Hbf
eintreffen, wird gerade der Schnellzug nach Nürnberg dreisprachig
angekündigt. Leider fährt er über Furth während unsere Fahrkarten via Cheb
lauten. Wegen der Sparpreise will mir die Dame am Schalter keine
Umwegkarten verkaufen.
Vorausfahrt bis Pilsen wäre tariflich unproblematisch gewesen.
Post by Martin Hoffmann
Als eine gute Stunde später R754 nach Frantiskovy Lazne bereitgestellt
wird, bin ich freilich froh, nicht den aus vier deutschen IR-Wagen
gebildeten und reichlich überfüllten Direktzug genommen zu haben.
Hm.
Post by Martin Hoffmann
Dieser
Zug hier besteht aus einer Horde Bautzner Abteilwagen im Ursprungszustand.
Holzimitierendes Sprelacart an den Wänden, rotbraunes Kunstleder auf den
Sitzbänken, Fenster die nur ganz auf oder ganz zu kennen. Ich verfalle in
glückliche Nostalgie. Als sich der Zug pünktlich um 14.19 Uhr auf den Weg
macht, wird es noch besser. Natürlich haben die Wagen noch Klotzbremsen
mit ihrem typischen Knirschen beim Einbremsen. Fast vergessene Geräusche
aus einer Zeit, als man gerne und viel gebremst hat.
Bis Plzen geht es zügig voran. Dort wird die Lok gewechselt. Fährt man
hier noch mit festen Besatzungen? Hinter Plzen ist man gerade dabei, die
Strecke zweigleisig auszubauen. Zügig geht es durch Nadelwälder. Kurze
Halte hier und da. Als wir Cheb erreichen, wird es langsam dunkel.
Wir genehmigen uns einen Kaffee im Bahnhofsbistro. Mehr Nostalgie. Das
Etablisment ist irgendwie in der "Russenzeit" steckengeblieben, komplett
mit Geschirr (dass mein Mitreisender photographiert um seiner Oma zu
zeigen, dass die hier ihre Tassen haben) und Bedienung in Dederonschürze.
Im Laden daneben tauschen wir die letzen (tschechischen) Kronen in Bier
um. Wir bezahlen ungefähr ein sechstel des norwegischen Bierpreises. Da
eine norwegische Krone drei tschechischen entspricht, ist der Betrag
trotzdem nur halb so hoch.
Ein am Bahnsteig 2 wartender Desiro der Vogtlandbahn holt uns zurück in
die Gegenwart. Wir müssen allerdings noch eine Stunde warten. Der sams-
und sonntägliche RE aus Nürnberg kommt pünktlich um 18.54 Uhr und besteht
aus einem 610. Kurz nach sieben macht er sich auf den Weg zurück nach
Nürnberg. Der Fahrplan ist entspannt: neun Minuten Aufenthalt in
Marktredwitz, sieben in Kirchenlaibach, sechs in Pegnitz.
In Nürnberg haben wir planmäßig 25 Minuten Aufenthalt. EN 482 kommt fünf
Minuten später. Wir beziehen wieder unser Abteil auf dem Lüfter. Abfahrt
ist dann schon eine viertel Stunde später. Irgendwo auf dem Weg nach
Würzburg wird gebaut und wir müssen erst Mal den Gegenverkehr durchlassen.
Würzburg dann schon mit einer halben Stunde Verspätung. Soweit kein
Problem, das fährt der Zug schon raus. Allerdings ist diese Nacht auch
Zeitumstellung. Tatsächlich haben wir also anderthalb Stunden Verspätung.
Am nächsten Morgen einige Verwirrung mit Handyuhren die sich automatisch
auf Sommerzeit umstellen. Als der Schaffner mit dem Frühstück erscheint
dann Gewissheit: Wir sind eine gute Stunde später. Mir soll's recht sein,
in Kopenhagen haben wir ein zweieinhalb Stunden Zeit. So reicht es noch
für ein zweites Frühstück und Vorratsbeschaffung.
Für den Øresundtog nach Göteborg haben wir diesmal Erstklassfahrscheine.
In diesen Zügen scheint es zweiter Klasse nur Normalpreis zu geben. Für
die erste hingegen gibt es Just Nu, die ungefähr so teuer sind wie der
Normalpreis zweiter Klasse. Schwere Entscheidung. Wir machen es uns also
in einem nahezu leeren Abteil bequem, während sich weiter hinten wie
üblich die Fahrgäste stapeln.
Wir erreichen Schweden und der Lokführer begrüßt uns dort -- mit der
Mitteilung, dass es bei Lund einen Unfall gegeben hätte und dieser Zug
heute in Malmö endet. Von dort dann Busersatz. Fein. Wir begeben uns also
ins Reisezentrum, wo die gezogene Nummer so ungefähr fünfzig Nummern
entfährt ist. Die Mannschaft entledigt sich allerdings bald der meisten
dieser Nummern mit allgemeinen Ansagen. Ja, es gibt einen Bus. In einer
Stunde. Oder so. Das reicht in keinem Fall für unseren Übergang in
Göteborg. Ich spreche also mit meinem Anliegen vor.
Die Standardlösung ist ein Bus nach Göteborg und dort dann Hotel.
Allerdings machen unsere Fahrscheine die Sache ein wenig schwierig. Wir
haben Tickets von SJ nur bis Göteborg und dann NSB. Dessen ungeachtet
versucht die Verkäuferin eine Lösung zu finden. Ich brauche meinen
Einwand, dass ja schlechterdings nicht meine Schuld ist, dass man nur auf
diese Weise vernünftige Fahrpreise zu Stande bekommt, eigentlich nicht
anbringen.
Für die einfachste Lösung, mit dem X2000 via Alvesta, ist es leider schon
zu spät. Das mit dem Hotel ist weiterhin problematisch. Stattdessen
schlägt sie vor, um viertel nach fünf mit dem X2000 nach Söndertälje zu
fahren und dann mit dem Nachtzug nach Oslo. Für den X2000 gibt es erste
Klasse und für den Nachtzug leider nur noch Liegewagen. Nun gut, warum
nicht.
Das lässt uns dreieinhalb Stunden in Malmö. Das Wetter ist herrlich. Wir
gehen erst mal Pasta essen und machen es uns dann auf einer Bank am Kanal
vor dem Bahnhof bequem und lassen uns die Sonne auf den Pelz scheinen.
Die erste Klasse im X2000 ist tatächlich erstklassig. Riesige Sitze, viel
Platz, skandinaviantypisch Kaffee umsonst -- und Internet auch. Der ICE 3,
den ich eine Woche später nehmen durfte, ist da doch ein wenig
enttäuschend.
Anderthalb Stunden Sonntag spät abends in Söndertälje Syd. Das "Syd" hat
seinen Grund. Die Station liegt mitten in einem Industrieggebiet. Um diese
Zeit ist da gar nichts.
Da hat man neben die Stammbahn noch eine Schnellstrecke
gebaut, die ansonsten nur noch zwei Betriebsbahnhöfe
aufweist.
https://de.wikipedia.org/wiki/V%C3%A4stra_stambanan

Gruß, ULF
U***@web.de
2020-10-07 08:38:53 UTC
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Post by Martin Hoffmann
mit dem Flugzeug ist Prag im besten Fall zweieinhalb Stunden von Oslo
entfernt. Langweilig. Mit der Bahn beginnt das Abenteuer schon beim
Ticketkauf. Man könnte es auch Spießroutenlauf nennen, es sei denn, Geld
spielt keine Rolle.
Da es das aber tat (schließlich muss man das Ganze ja dem Chef
verkaufen), trafen wir uns an einem Samstagmorgen im März mit insgesamt
zwölf Fahrscheinen auf dem Osloer Hauptbahnhof. Der Vormittagszug nach
Göteborg, samstags fährt er netterweise erst um 9 Uhr statt um früh um
7, war bereits als zum Einsteigen bereit angezeigt. Am Bahnsteig jedoch
gähnende Leere. Stattdessen eine Ansage, dass ein Lokalzug aus Mysen
und ein solcher nach Ski heute ausfallen. Unglücklicherweise ist das
unsere Richtung.
Für Nordstrand(!) und etliche Halte vor Ski einschließlich Langhus
wird derzeit eine Schnellumfahrung gebaut.

Zudem bekam Ski - Sarpsborg ETCS von Bombardier Interflo.

Nun ist von BM 74, nicht mehr 73B, die Rede.
Nach Protesten wurde in der Regionalzugvariante
die 2+3-Bestuhlung in 2+2 geändert.
https://de.wikipedia.org/wiki/NSB_Type_74%E2%80%93Type_76#Type_74
Die Intercity laufen doch in Norwegen mittlerweile
als Regionalzüge?

Hinter Halden wurden lt. Karte in
https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%98stfoldbanen
auf 33 Kilometern bis zur Grenze zwei Bahnhöfe
und drei Haltepunkte aufgelassen sowie zwei
Bahnhöfe in Betriebsbahnhöfe umgewandelt.

Auf den weiteren 19 Kilometern in Schweden bis
Ed sieht es auch nicht besser aus.
https://de.wikipedia.org/wiki/Bahnstrecke_Mellerud/Sk%C3%A4lebol%E2%80%93Kornsj%C3%B6

Da scheint tote Hose zu sein.

Gruß, ULF
Rolf Mantel
2020-10-07 09:03:18 UTC
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Post by U***@web.de
Hinter Halden wurden lt. Karte in
https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%98stfoldbanen
auf 33 Kilometern bis zur Grenze zwei Bahnhöfe
und drei Haltepunkte aufgelassen sowie zwei
Bahnhöfe in Betriebsbahnhöfe umgewandelt.
Auf den weiteren 19 Kilometern in Schweden bis
Ed sieht es auch nicht besser aus.
https://de.wikipedia.org/wiki/Bahnstrecke_Mellerud/Sk%C3%A4lebol%E2%80%93Kornsj%C3%B6
Da scheint tote Hose zu sein.
Das sieht man schon daran, dass das gesamte Gebiet bis zur Grenze Teil
der Kommune Halden ist: 33km zum Bürgermeisteramt fahren kommt selbst in
den leeren Gebieten Mecklenburg-Vorpommerns nicht vor.

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