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[RB] Expeditionen ins Bierreich
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Joerg Jonas
2006-11-13 12:08:17 UTC
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Nach längerer Abstinenz wagte ich es, mal wieder mit der Bahn eine
Expedition ins Bierreich zu starten. Am Samstag ging es um 8:40 Uhr am
Südbahnhof in Frankfurt los. Der Tag begann gut, die Lautsprecher am
Bahnsteig funktionierten und pünklich fuhr der RE an den Bahnsteig.

Vorher hatte ich dem Automaten noch ein SWT abgerungen, auf dem sich
eine Linie zum Eintragen eines Namens befand. Das hat man von der
Abstinenz; keiner aus unserer Gruppe hatte einen Kugelschreiber dabei.
Am Automat hing auch kein Kuli.

Einige Minuten bevor der Zug kam, fiel uns ein auf dem Bahnsteig
geparkter Baumarkt-Einkaufswagen auf, der mit alten Brettern, Kisten
und einem Fahrradrahmen beladen war. Eigentlich hatten wir diesen dem
Reinigungsfritzen zugerechnet, der sich um die Papierkörbe kümmerte,
doch nachdem der Zug hielt begannen zwei Männer, den Sperrmüll samt
Einkaufswagen in den Zug zu laden. Brett für Brett und Kiste für Kiste
landete das Zeug im Zug, der daraufhin mit 5 Minuten Verspätung
weiterfuhr.

Wir saßen in einem ehemaligen Raucherabteil, das an den Brandflecken
auf den Sitzpolstern und den immer noch mit Ascheresten behängten
Papierkörben (Ex-Aschenbechern) erkennbar war. In Aschaffenburg
stiegen ca. ein Dutzend Fußballfans (SV Darmstadt 98) auf dem Weg nach
Ingolstadt zu, die einige Kisten Pfungstädter Pils im Gepäck hatten.
Es wurde laut, die Bierflaschen kreisten und kurz nach Heigenbrücken
führten die jungen Leute das Ex-Raucherabteil wieder seinem originären
Verwendungszweck zu.

Der Schaffner mokierte sich kurz über den Zigarettenqualm, riet den
Fußballfans, die Pause in Würzburg (Nichtraucherbahnhof) zum Rauchen
zu nutzen und stempelte er mir noch das SWT ohne Namen, danach ward er
nie wieder gesehen.

Die noch ein wenig angewachsene Verspätung störte in Würzburg nicht,
da der Zug nach Bayreuth/Hof ebenfalls zu spät kam. Fast pünktlich
erreichten wir die Brauerei Fäßla in Bamberg und konnten ein Zwergla
trinken.

*****

Der Rückweg gestaltete sich ein wenig abenteuerlicher, denn der RE
4790 von Nürnberg nach Schweinfurt war zu seiner Abfahrtszeit noch gar
nicht in Bamberg eingetroffen. Nach seiner Ankunft durfte der RE noch
auf einen verspäteten IC warten. Wir waren froh, den Bamberger Bahnhof
mit nur 10 Minuten Verspätung verlassen zu dürfen.

Als die Schaffnerin durch den Wagen kam, versicherte sie uns, daß der
Anschlußzug in Schweinfurt auf jeden Fall warten würde. So war es dann
auch, wir übertrugen unsere 10 Minuten Verspätung auf den Anschlußzug
"bitte zügig umsteigen".

In Würzburg war deswegen ebenfalls Umsteigen im Laufschritt angesagt,
denn der normalerweise komfortable Zeitpuffer existierte nicht mehr.
Ich kann bis hierhin jedoch nicht klagen, denn auch dieser Anschluß
wurde wahrgenommen. Der RE nach Frankfurt wartete nicht nur auf uns,
er wartete auch noch auf einen anderen RE, auf mindestens einen ICE
und sicher auch noch auf die Würzburger Straßenbahn. Außerdem wartete
er noch auf Hp1, bis er mit einem Dutzend Verspätungsminuten auf dem
Konto endlich zu seiner Fahrt nach Frankfurt startete.

Bis Wiesthal änderte sich an unserer Verspätungssituation nichts mehr,
in Wiesthal aber eine ganze Menge. Zunächst stand der Zug einfach so
rum, dann erfolgte die Durchsage "wegen einer Betriebsstörung in
Heigenbrücken aufgrund einer Lademaßüberschreitung können wir auf
unbestimmte Zeit nicht weiterfahren". Es mich natürlich interessieren,
welche Art Betriebsstörung eine Lademaßüberschreitung so verursacht,
an diese Information kam ich aber nicht mehr heran.

Unsere Verspätungsminutensammlung führte zu einer kleineren Panik in
unserer Nähe, eine Gruppe aus vier Damen brauchte in Aschaffenburg den
Anschlußzug Richtung Darmstadt. Sie organisierten sich frustriert
einen Heimtransport per Pkw, bevor wir mit nun etwa 20 Miesen
weiterfahren konnten. Erleichterung machte sich in der Gruppe breit,
als per Lautsprecher bekanntgegeben wurde, der Anschlußzug in
Aschaffenburg würde warten. Der Pkw-Abholer wurde nach Dieburg
dirigiert.

In Aschaffenburg konnte ich die Worte "bitte beeilen Sie sich beim
Umsteigen, der Zug hat schon Grün" hören.

In Frankfurt-Mainkur überholte uns außerplanmäßig ein ICE. Am
Südbahnhof landeten wir mit 30 Minuten Verspätung. Nicht weiter
tragisch, erstaunlicherweise haben alle Anschlußzüge gewartet bzw.
waren selbst verspätet. Wenn man von den Fußball"fans" und dem
Umsteigen im Laufschritt absieht, war die Fahrt soweit erträglich.

Grüße

-JJ

(Der in diesem Jahr noch einmal versuchen wird, eine Expedition ins
Bierreich zu unternehmen...)
rvdborgt+@evonet.be (Rian van der Borgt)
2006-11-13 22:19:40 UTC
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On Mon, 13 Nov 2006 13:08:17 +0100, Joerg Jonas wrote:
[...]
Post by Joerg Jonas
Bis Wiesthal änderte sich an unserer Verspätungssituation nichts mehr,
in Wiesthal aber eine ganze Menge. Zunächst stand der Zug einfach so
rum, dann erfolgte die Durchsage "wegen einer Betriebsstörung in
Heigenbrücken aufgrund einer Lademaßüberschreitung können wir auf
unbestimmte Zeit nicht weiterfahren". Es mich natürlich interessieren,
welche Art Betriebsstörung eine Lademaßüberschreitung so verursacht,
an diese Information kam ich aber nicht mehr heran.
Ähm... Signale umgehauen? (Hat's neulich zwischen Utrecht und Amersfoort
gegeben...)

Grüße,

Rian
--
Rian van der Borgt, Leuven/Löwen, Belgien.
e-mail: rvdborgt+@evonet.be www: http://www.evonet.be/~rvdborgt/
Klaus Mueller
2006-11-14 02:25:39 UTC
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Post by rvdborgt+@evonet.be (Rian van der Borgt)
[...]
Post by Joerg Jonas
Bis Wiesthal änderte sich an unserer Verspätungssituation nichts mehr,
in Wiesthal aber eine ganze Menge. Zunächst stand der Zug einfach so
rum, dann erfolgte die Durchsage "wegen einer Betriebsstörung in
Heigenbrücken aufgrund einer Lademaßüberschreitung können wir auf
unbestimmte Zeit nicht weiterfahren". Es mich natürlich interessieren,
welche Art Betriebsstörung eine Lademaßüberschreitung so verursacht,
an diese Information kam ich aber nicht mehr heran.
Ähm... Signale umgehauen? (Hat's neulich zwischen Utrecht und Amersfoort
gegeben...)
Oder stand der Überschreiter vor/in dem Tunnelportal des
Schwarzkopftunnels und seine Überschreitung zeigte keine Lust reinpassen
zu wollen?

Klaus
Joerg Jonas
2006-11-14 12:47:45 UTC
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Post by Klaus Mueller
Oder stand der Überschreiter vor/in dem Tunnelportal des
Schwarzkopftunnels und seine Überschreitung zeigte keine Lust reinpassen
zu wollen?
Dann hätte es noch länger dauern müssen. Ich habe schon gesehen, wie
sich ein LKW unter einer Brücke festgefahren hat. Nach vier oder fünf
Stunden war die Durchfahrt wieder möglich. Wenn die Bahn erst am
Tunnel feststellt, daß der Zug nicht durchpaßt, wie stellt sie das
eigentlich fest? Das geht doch eigentlich nur, wenn ein Wagen
steckenbleibt...

-JJ
Christoph Schmitz
2006-11-14 13:02:20 UTC
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Post by Joerg Jonas
Post by Klaus Mueller
Oder stand der Überschreiter vor/in dem Tunnelportal des
Schwarzkopftunnels und seine Überschreitung zeigte keine Lust reinpassen
zu wollen?
Dann hätte es noch länger dauern müssen. Ich habe schon gesehen, wie
sich ein LKW unter einer Brücke festgefahren hat. Nach vier oder fünf
Stunden war die Durchfahrt wieder möglich. Wenn die Bahn erst am
Das kann man aber nicht verallgemeinern, auch im Strassen-
bereich kann sowas u.U. schneller beseitigt werden.
Post by Joerg Jonas
Tunnel feststellt, daß der Zug nicht durchpaßt, wie stellt sie das
eigentlich fest?
Dadurch, dass der vor der LUe eingereihte Schablonenwagen
an der Tunnelwand kratzt? ;-)
Wobei ich nicht sicher weiss, ob so ein Wagen immer benutzt
wird.
Post by Joerg Jonas
Das geht doch eigentlich nur, wenn ein Wagen steckenbleibt...
Der Schablonenwagen sollte so konstruiert sein, dass er
nicht steckenbleibt. Und bei rechtzeitiger Bremsung bleibt
die LUe auch nicht stecken.

Christoph
Joerg Jonas
2006-11-14 12:45:32 UTC
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Post by rvdborgt+@evonet.be (Rian van der Borgt)
Ähm... Signale umgehauen? (Hat's neulich zwischen Utrecht und Amersfoort
gegeben...)
Eher nicht, die standen alle noch an ihrem Platz. Ich kann mir
vorstellen, daß es vielleicht ein Begegnungsverbot im Tunnel gab.

Grüße

-JJ
Martin Bienwald
2006-11-14 10:03:45 UTC
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Post by Joerg Jonas
dann erfolgte die Durchsage "wegen einer Betriebsstörung in
Heigenbrücken aufgrund einer Lademaßüberschreitung können wir auf
unbestimmte Zeit nicht weiterfahren". Es mich natürlich interessieren,
welche Art Betriebsstörung eine Lademaßüberschreitung so verursacht,
an diese Information kam ich aber nicht mehr heran.
Sie räumt alles mögliche vom Rand der Strecke ab, beispielsweise Signale? ;-)

... Martin
U***@web.de
2020-11-09 14:56:59 UTC
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Post by Joerg Jonas
In Würzburg war deswegen ebenfalls Umsteigen im Laufschritt angesagt,
denn der normalerweise komfortable Zeitpuffer existierte nicht mehr.
Ich kann bis hierhin jedoch nicht klagen, denn auch dieser Anschluß
wurde wahrgenommen. Der RE nach Frankfurt wartete nicht nur auf uns,
er wartete auch noch auf einen anderen RE, auf mindestens einen ICE
und sicher auch noch auf die Würzburger Straßenbahn. Außerdem wartete
er noch auf Hp1, bis er mit einem Dutzend Verspätungsminuten auf dem
Konto endlich zu seiner Fahrt nach Frankfurt startete.
Bis Wiesthal änderte sich an unserer Verspätungssituation nichts mehr,
in Wiesthal aber eine ganze Menge. Zunächst stand der Zug einfach so
rum, dann erfolgte die Durchsage "wegen einer Betriebsstörung in
Heigenbrücken aufgrund einer Lademaßüberschreitung können wir auf
unbestimmte Zeit nicht weiterfahren". Es mich natürlich interessieren,
welche Art Betriebsstörung eine Lademaßüberschreitung so verursacht,
an diese Information kam ich aber nicht mehr heran.
Fehlendes Prädikat im Hauptsatz?

Scherz beiseite, verrutschte Ladung?
Bei Schweizer Triebzügen (gut, wird
keiner gewesen sein) ggf. auch defekte
Schwankkompensation?

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