Discussion:
[DE/PL/BY/UKR] Bahnreise nach Minsk und Odessa
(zu alt für eine Antwort)
Max Schmied
2007-10-02 18:06:55 UTC
Permalink
Ende August stand Urlaub in der GUS an. Es ging zunächst für 13 Tage nach
Minsk und anschließend für weitere 8 Tage nach Odessa. Als Verkehrsmittel
kam natürlich nur die Bahn in Frage, wobei auf den Reisekomfort großen Wert
gelegt wurde. In Weißrussland verbrachten wir unseren Urlaub in einem
Erholungszentrum http://sanatorii.by/?obj=159 an der Minsker Seenplatte
(Minskoe More und die angrenzenden Seen). In Odessa wählten wir das
Zwei-Sterne-Hotel Arkadia im gleichnamigen Stadtteil als Unterkunft.
Erholungszentrum und Hotel wurden ca. einen Monat vor Abfahrt von zu Hause
aus per Telefon und Fax reserviert.

Vorab eine Auflistung der für die Reise ausgewählten Züge:

EN 349 Duisburg - Minsk
D 94BJ Minsk - Odessa (fährt via Kiev)
D 106SH Odessa - Kiev
D 29KJ Kiev - Berlin Gesundbrunnen
IC 144 Berlin Gesundbrunnen - Berlin Hbf (lustig: nur 4 Minuten Reisezeit
in einem IC)
ICE 642 Berlin Hbf - Duisburg


Bei einer Hin- und Rückfahrt mit dem Endziel in der Ukraine kommt bei zwei
Personen als Fahrkarte natürlich nur der Sparpreis Ukraine mit Sparpreis 50
für Deutschland in Frage. Die zweimonatige Gültigkeitsdauer eines solchen
Fahrscheins im Ausland (Zugbindung nur in Deutschland) ist für den
Aufenthalt in Minsk natürlich ideal. Einziges Dilemma hierbei ist, dass der
Weg nach Odessa über Minsk eigentlich ein Umweg ist und der Sparpeis Ukraine
nur im direkten Transit durch Polen gewährt wird. Ein Blick ins TCV-Heft IV
offenbart, dass die einzige
durchgehend ausstellbare Relation nach Odessa im Transit durch Polen und
Weißrussland die folgende ist:
<1251>Warszawa*Brest(Gr)<0021>Zabolote(Gr)<0022>Kovel*Luck*Rovno*Zdolbunov*Vapniarka.
Das passt von der Streckenführung natürlich so gut wie gar nicht. Über
Zabolote(Gr) fahren mittlerweile nur noch Nahverkehrszüge. Selbst wenn es
den Sparpreis Ukraine auch im Transit durch Weißrussland gäbe und sogar eine
durchgehende Relation nach Odessa via Minsk und Kiev hinterlegt wäre, so
würde der Sparpreis sicherlich nur bei Transit durch Polen und Weißrussland
auf der Hin- und Rückfahrt verkauft werden können. Wir fahren auf der
Rückfahrt aber im direkten Transit durch Polen, da dies der kürzeste Weg ist
und für Weißrussland ansonsten auch noch ein Transitvisum erforderlich wäre.

Loading Image...
Loading Image...

Ich beschließe, den Sparpreis Ukraine via Jagodin(Gr) zu erwerben und
ungeachtet des fehlenden weißrussischen Abschnitts Brest(Gr) - Teriuha(Gr)
wie geplant zu fahren. Sollten von den Schaffnern Rückfragen kommen, so
würde ich mich dumm stellen und darauf verweisen, dass man mir den
Fahrschein inklusive der Reservierungen für alle benutzten Züge in
Deutschland so verkauft hat und dass alles schon so seine Richtigkeit haben
muss. Im schlimmsten Fall würde man unterwegs ein wenig nachlösen müssen.
Dies wäre aber auf jeden Fall billiger, als in Deutschland einen nicht
ermäßigten TCV-Fahrschein Brest(Gr) - Teriuha(Gr) hinzuzukaufen. Für die
Rückreise von Odessa via Kiev ist die Relation Nr. 332
<1251>Poznan*Warszawa*Lublin*Chelm*Jagodin(Gr)<0022>Kovel*Olevsk*Kiev*Vapniarka*Kotovsk
genau richtig. Welche Relation soll aber für die Hinfahrt gewählt werden?
Wirklich passen wird sie wegen des fehlenden weißrussischen Abschnitts
sowieso nicht. Man könnte natürlich auch für die Hinfahrt die Relation Nr.
332 nehmen. Ich beschließe jedoch, für die Hinfahrt die Relation Nr. 3234
<1251>Poznan*Warszawa*Lublin*Chelm*Jagodin(Gr)<0022>Kovel*Rovno*Kazatin*Kiev*Vapniarka
auszuwählen. Diese ist für den längeren Weg via Rovno - Kazatin - Kiev -
Kazatin (Kazatin wird zwei Mal durchfahren) gedacht, wenn man also z. B. mit
dem D 68 von Warschau nach Kiev und dann von Kiev weiter nach Odessa fahren
würde. (Interessanter Weise hält der D 68 gar nicht in Kazatin, er fährt da
einfach vorbei!) Der Preis des Sparpreises Ukraine hängt übrigens nicht von
der genauen Streckenlänge ab (nur zwei Preisstufen: <= 750 ukrainische
Kilometer und > 750 ukrainische Kilometer). Zwischen Teriuha(Gr) und Kiev
würde man auch nicht im Einklang mit dem Wegtext fahren. Immerhin könnte ich
im unwahrscheinlichen Fall einer Diskussionen mit dem Zugpersonal aber
darauf verweisen, dass die Strecke Jagodin(Gr)<0022>Kovel*Rovno*Kazatin*Kiev
länger ist als die tatsächlich gefahrene Strecke Teriuha(Gr) - Kiev. Ab Kiev
würde dann die Wegvorschrift auf der Fahrkarte endlich mit der tatsächlich
gefahrenen Strecke übereinstimmen. Durch die Auswahl unterschiedlicher
Relationen für Hin- und Rückfahrt wirkt die Fahrkarte außerdem furchtbar
kompliziert. Es steht sehr viel Text drauf und dies auch noch in einer sehr
kleinen Schrift. Die Schaffner werden das bestimmt nicht lesen wollen und
den Fahrschein möglicherweise auch so gutheißen. Das DB-Verkaufssystem kann
höchstens vier Zeilen Wegtext auf einer Fahrkarte unterbringen. Ist der
Wegtext zu lang, um in der Standardschrift (vergleiche
Loading Image...)
in vier Zeilen dargestellt zu werden, so wird die Schriftart verkleinert, um
den Wegtext abermals in höchstens vier Zeilen auf dem Fahrschein
unterzubringen. Ist er immer noch zu lang, so ist die Ausstellung der
Fahrkarte schlicht und ergreifend nicht möglich. Es bleibt noch zu erwähnen,
dass auf der Hinfahrt in Polen hinter Warschau ebenfalls eine Inkonsistenz
zwischen der gefahrenen und der im Fahrschein vorgegebenen Strecke besteht.
Auch hier würde ich im Falle einer Diskussion darauf verweisen, dass der
bezahlte Wegabschnitt Warszawa*Lublin*Chelm*Jagodin(Gr) länger ist als der
tatsächlich gefahrene Abschnitt Warszawa - Brest(Gr).

Der Fahrkartenkauf am DB-Schalter nimmt eine gute halbe Stunde in Anspruch.
Ich bitte den netten Fahrkartenverkäufer, bei der Hinfahrt die Verbindung
über Minsk aufzubauen und dabei einen 13-stündigen Aufenthalt vorzugeben.
Heraus kommt meine Wunschverbindung mit dem EN 349 und dem D 94BJ, bloß dass
man hier nach Ankunft in Minsk direkt am nächsten Morgen weiter nach Odessa
fährt. Eine Aufenthaltsdauer von 13 Tagen kann nicht eingegeben werden
(maximal 48 h), was aber auch gar nicht notwendig ist - im Ausland besteht
eh keine Zugbindung. Ich sage dem Fahrkartenverkäufer dann auch direkt,
welche Relation (mit der entsprechenden Nummer) ich bei der Hinfahrt und
welche bei der Rückfahrt ausgewählt haben möchte. Der nette
Fahrkartenverkäufer sieht gleich, dass ich mich sehr gut auskenne und
befolgt alle meine Wünsche und Hinweise. Diese sind auch notwendig, denn
erwartungsgemäß zeigt das Verkaufssystem NVS für die aufgebaute Verbindung
keinerlei Preise an. NVS tut sich schon schwer damit, für Berlin -
Kaliningrad ohne die manuelle Relationenauswahl einen Preis anzuzeigen, was
will man schon bei Duisburg - Odessa via Minsk erwarten, wo wirklich keine
komplett passende Relation existiert. Also rufen wir das Menü für die
manuelle Relationenauswahl auf, wo von NVS allerdings mitgeteilt wird, dass
zum Bahnhof "Odessa Gl." keinerlei Relationen hinterlegt sind. Das ist
natürlich glatt gelogen und eine gemeine Tücke des NVS-Systems. Ich empfehle
dem Fahrkartenverkäufer daher, statt "Odessa Gl." als Zielbahnhof
"ODESSA(TCV)" auszuwählen, was genau wie "BERLIN" oder "MOSKVA(TCV)" für
alle Bahnhöfe der jeweiligen Stadt steht. Siehe da, jetzt können die
Relationen für Hin- und Rückfahrt wie gewohnt ausgewählt werden und man
erhält im Anschluss die Normal- und Sparpreise für die gewünschte Verbindung
angezeigt. Die Tücke mit dem Zielbahnhof ist mir schon von Riga bekannt: Da
gibt es auch den Bahnhof "Riga Pass" und "RIGA(TCV)". Im Zweifelsfall sollte
man immer den Bahnhof mit dem Kürzel "TCV" auswählen, dann klappt es auch
mit der manuellen Relationenauswahl. So, nun ist der Fahrschein aber endlich
ausgestellt.

Loading Image...

Ich möchte nach Minsk eigentlich im BC-Schlafwagen fahren, da hier zum einen
die Reservierung im T3 nur 21 ? p. P. kostet und zum anderen die
weißrussischen Schaffnerinnen in der Regel netter sind als die russischen
Schaffner(innen). Aber der BC-Schlafwagen ist bereits vollständig
ausgebucht. Das ist traurig, aber was soll man machen. So wird in den
RZD-Wagen für 26 ? p. P. reserviert und "insgesamt 10 ? zu viel bezahlt".

Loading Image...

Die Reise wurde so geplant, dass ein in Polen wohnender Bekannter, der
geschäftlich nach Brest muss, mit uns zusammen mitfahren kann. Er wird am
frühen Morgen in Kunto zusteigen. Die Fahrkarte kauft er vor Ort, die
Reservierung kaufe ich für ihn, sodass er in unserem Abteil mitfahren kann.
Hierfür drei T3-Plätze Duisburg - Minsk zu buchen, wäre pure
Geldverschwendung, die Reservierung Kutno - Brest kostet mit 9 ? nur einen
Bruchteil der Reservierung Duisburg - Minsk. Buchungen in den EN 349 ab
Kutno sind allerdings nicht so ganz ohne. Dass man im EN 349 von Kutno nach
Brest fahren kann, ist ein ganz großes Geheimnis. Man wird diese Verbindung
weder in DB-HAFAS noch in PKP-HAFAS finden können, da beim EN 349 für
sämtliche Stationen vor Warszawa Wschodnia die Abfahrtszeiten herausoperiert
worden sind. Füttert man die Reservierungsmaske allerdings händisch mit
allen relevanten Daten, so lässt sich Kutno - Brest dennoch buchen. Die
nächste Hürde besteht nun darin, dem Reservierungssystem das obere Bett
unseres Abteils zu entlocken. Eine platzscharfe Buchung ist von der
Eingabemaske her zwar möglich, klappt aber laut Schaltermitarbeiter leider
nur bei den Tageszügen. So müssen wir also so lange obere Betten buchen, bis
das zu den Betten 31 und 33 passende obere Bett 35 ausgespuckt wird. Erst
nach 11 oder 12 weggebuchten oberen Betten teilte das Reservierungssystem
endlich das gewünschte Bett 35 zu. Die anderen Bettplätze wurden darauf
storniert.

Loading Image...

Der Zug Minsk - Odessa ist von Deutschland aus problemlos buchbar - ein
T4-Bettplatz kostet 17 ?. Wir würden am liebsten im Double reisen, doch der
Zug führt nur Kupe- und Platzkartnyj-Wagen. Wenn man Glück hat, so lernt man
in einem T4-Abteil ein oder zwei interessante Mitreisende kennen, hat man
allerdings Pech, so fährt man wie 'fuente'
http://www.spin.de/hp/Fuente/blog/2007/8 zusammen mit einer nicht
kontaktfreudigen Mutter, einem ebensowenig kontaktfreudigen Vater und ihren
zwei tobenden kleinen Kindern (Kinder unter 6 Jahren brauchen weder ein
eigenes Bett noch einen eigenen Fahrschein) in einem Abteil zusammen. Es
gibt für solche Fälle allerdings einen Geheimtip: In manchen Zügen werden in
einigen Kupe-Wagen die für zwei Personen konzipierten Schaffner-Abteile (ein
unteres und ein oberes Bett, Plätze 37 und 38) an die Reisenden verkauft,
während die Schaffner es sich im ersten für die Reisenden gedachten Abteil
bequem machen. Über ticket.rzd.ru finde ich heraus, dass im Zug 94BJ
ebenfalls ein solches Abteil zur Buchung freigeschaltet ist und zwar in
Wagen 7. Nun müssen wir es nur noch buchen, dann haben wir Double zum Preis
von T4 gekauft und uns garantierten Reisekomfort für die ca. 24-stündige
Reise gesichert. Ich schildere also dem Schaltermitarbeiter mein Anliegen
und er fängt an zu buchen... Zunächst gibt das Express-Reservierungssystem
Plätze im Wagen 8 heraus, beginnend mit den niedrigsten Platznummern. Also
müssen wir den gesamten Wagen 8 leerbuchen, damit als nächstes hoffentlich
Wagen 7 dran ist. Die Sache geht auf. Nachdem Wagen 8 leergebucht worden
ist, ist nun Wagen 7 an der Reihe, zunächst wieder die niedrigsten
Platznummern. Erst nach Wegbuchen sämtlicher anderer Plätze in Wagen 7
gehört das begehrte Schaffnerabteil endlich uns. Es war wie gesagt auch das
einzige im ganzen Zug, welches zum Verkauf freigegeben war.

Loading Image...

Loading Image...

Die Züge Odessa - Kiev und Kiev - Berlin müssen bekanntlich per Fax bestellt
werden. Von Odessa nach Kiev ist es nur eine Nacht, da reicht ein T4-Abteil
vollkommen aus, von Kiev - nach Berlin soll es allerdings ein Double-Abteil
sein, denn die RIC-WLABs sind bekanntlich für drei Personen ein wenig zu eng
und man möchte auf der Rückfahrt auch seine Ruhe haben, wer weiß, was man
für einen Mitreisenden bekommt. Nach zwei Werktagen sind die Reservierungen
auch schon da und können abgeholt werden. Odessa - Kiev wurde übrigens nach
der kilometerbasierten Binnenverkehrstabelle
http://www.uz.gov.ua/index.php?m=info.normdocs.prav_pas&f=Doc.View&p=nakaz_pastarif.4&lng=uk
tarifiert. Man beachte, dass bei der T4-Reservierung 2. Klasse steht, bei
der Double-Reservierung hingegen 1. Klasse. Den Klassenübergang in die 1.
Klasse von Kiev bis Jagodin(Gr) sparen wir uns, da die Schaffner
erfahrungsgemäß auch die Double-Nutzung mit Fahrscheinen 2. Klasse dulden.
UZ-Verkaufsstellen hätten allerdings ganz sicher keine Double-Reservierung
zu einem Fahrschein 2. Klasse ausgestellt. Aber wer kauft schon die
Rückreservierung bei der UZ? Mit der obligatorischen Schaltergebühr (3-5 ?
p. P.) und der Versicherungsgebühr wird man dort regelrecht abgezockt.

Bei den per Fax bestellten Reservierungen will ich noch auf die 14-stellige
(statt 12-stellige) von Leipzig vergebene Pseudo-EPA-Nummer hinweisen, die
mit 22 (Ukraine) anfängt und bei allen Ukraine-Reservierungen identisch ist.

Loading Image...

Die Sitzplatzreservierung im ICE gibt es dann als Anschlussreservierung zum
D 29KJ Kiev - Berlin gratis dazu.



Loading Image...
Loading Image...

So, jetzt geht die Fahrt los. Ich gebe dem RZD-Schaffner die Reservierung
bis Minsk und die Fahrkarte nach Odessa, worauf er uns einsteigen lässt. Es
kommen erwartungsgemäß keine Rückfragen, dass unsere Fahrkarte irgendwie
nicht zur Fahrt via Minsk berechtigt. Wunderbar. Der DB-Kontrolleur und der
PKP-Kontrolleur bis Warschau werden auch nichts zu beanstanden haben, da bis
Warschau die gefahrene Strecke zu der auf dem Fahrschein vorgegebenen passt.
In Warschau werden dann die PKP-Wagen abgekoppelt und die drei RZD-Wagen mit
dem BC-Wagen, alle übrigens zu 100% ausgebucht, dem D 12 (Ost-West-Express)
Warschau - Moskau beigegeben. Der Stammzug ist dabei eigentlich eine
Lachnummer, er besteht nur aus zwei RZD- und einem PKP-Wagen. Früher hatte
er mindestens fünf Wagen. Durch die Wiedereinführung des Polonez scheint
wohl die Nachfrage im Ost-West-Express stark zurückgegangen zu sein. Jetzt
wird es spannend: Der PKP-PR-Kontrolleur kommt und kontrolliert die
Fahrscheine. Ich bereite mich schon auf eine mögliche Diskussion vor. Diese
ist aber gar nicht notwendig, da der Kontrolleur alle Fahrscheine im
Schaffnerabteil bereits geknipst hat und im nächsten Wagen verschwunden ist.

In Terespol kommen wir bereits mit einer halben Stunde Verspätung an, bei
Ankunft in Brest sind es schon 50 Minuten. Während der Zug umgespurt wird,
machen wir einen kleinen Spaziergang rund um den Bahnhof. Bei der starken
Verspätung wird trotz des zweistündigen Aufenthalts auch die Abfahrt
erwartungsgemäß nicht mehr pünktlich erfolgen können. So kommt es dann auch.
Interessant ist, dass auf den elektronischen Zugtafeln im Bahnhof als
Abfahrtszeit statt 17:48 18:18 erscheint. Von einer Verspätung steht dort
nichts. Auch die mehrmals ertönenden Durchsagen verschweigen die Verspätung
und kündigen an, dass unser Zug um 18:18 abfährt. In Brest wird unser Zug
als "Zug 12 von Warschau nach Moskau" durchgesagt, in Minsk hören wir
dagegen, dass "Zug 12 von Frankfurt am Main nach Moskau" eingefahren ist.
Die Verspätung in Minsk beträgt nur noch 15 Minuten.



Loading Image...

Loading Image...

Wie man auf den Fotos schon sieht, geht es nun nach Odessa. Ich zeige der
älteren Schaffnerin die Bettkarte sowie die Fahrkarte und sie lässt uns
einsteigen. Die Schaffnerin erzählt mir, dass sie früher 15 Jahre lang auf
internationalen Zugläufen ihren Dienst verrichtet hat und sich daher auch
mit internationalen Fahr- und Bettkarten auskennt. Allzugut scheint sie sich
aber doch nicht auszukennen, denn sie fragt uns später, ober wir Bettwäsche
haben möchten und nennt uns den entsprechenden Preis - 3500 BYR (1,20 ?) pro
Person. Ich erkläre ihr darauf, dass bei Reservierungen zum internationalen
Tarif die Bettwäsche immer im Preis inkludiert ist, nicht umsonst würde auf
der Reservierung "inklusive Zuschlag" draufstehen. Sie antwortet darauf,
dass die Bettwäsche nur im internationalen Verkehr mit Westeuropa im Preis
inkludiert sei, nicht jedoch im GUS-Binnenverkehr. Ich weise sie nochmal auf
den Vermerk "inklusive Zuschlag" hin, worauf sie sich zur Zugcheffin begibt,
um die Sache mit der Bettwäsche abschließend zu klären. Nach fünf Minuten
kommt sie dann wieder und händigt uns in der Tat kostenlos die Bettwäsche
aus. OK, die Bettwäsche ist inkludiert, aber zu Abrechnungszwecken müsse sie
den Durchschlag der Reservierung und der Fahrkarte behalten. Ich erkläre
ihr, dass es bei internationalen Fahrscheinen im Gegensatz zu
BC-Binnenfahrkarten keine Durchschläge gibt, sondern immer nur das Original.
Die Fahrkarte könne sie nicht behalten, wohl aber die Reservierung, falls es
wirklich erforderlich ist. So behält sie also die Reservierung und gibt uns
die Fahrkarte später zurück, auf deren Rückseite sie Datum und Zugnummer
einträgt. Dass die Wegvorschrift nicht ganz passt, ist dieser Schaffnerin
ebenfalls nicht aufgefallen. Sie hat wahrscheinlich nur geschaut, dass wir
von Duisburg nach Odessa fahren und das stimmte ja. Das
Double-Schaffnerabteil hat sich als sehr geräumig herausgestellt. Es ist
genauso breit wie die Abteile im RIC-Schlafwagen und verfügt ebenfalls über
einen klappbaren Sitz. Unser Wagen ist in Ammendorf gebaut worden. Die
neueren in Tver (Russland) gebauten Kupe-Wagen haben allerdings etwas engere
Schaffnerabteile, wo auch die Betten etwas kürzer sind als üblich. In diesen
Wagen ist die Buchung des Schaffnerabteils nur bedingt empfehlenswert.

So, die Sache mit der falschen Wegvorschrift ist überstanden. Alle Schaffner
und Kontrolleure haben unseren Fahrschein ohne Rückfragen durchgehen lassen.
Wegen dem fehlenden weißrussischen Abschnitt brauch ich auch kein schlechtes
Gewissen zu haben, haben wir doch an Weißrussland und somit auch teilweise
an die weißrussische Staatsbahn pro Person 65 ? an Visumgebühren gezahlt.



Kommen wir nun zur Rückfahrt. Die Schaffnerin im Nachtzug D 106SH ist jung,
war bisher noch nicht im internationalen Verkehr tätig und blickt daher
weder bei der Fahrkarte noch bei der Bettkarte durch. Ich erkläre ihr, dass
auf der Fahrkarte der Wegtext und auf der Reservierung die Angaben zum Zug
draufstehen. Nachdem ich ihr alles erklärt und gezeigt habe, nimmt sie
Fahrschein und Reservierung entgegen lässt uns rein. Denn Sinn eines
internationalen Fahrscheins scheint sie aber trotzdem nicht verstanden zu
haben, steht doch auf der Reservierung alles Relevante bereits drauf... Am
nächsten Morgen kriegen wir dann unaufgefordert beide Dokumente zurück. Die
Umsteigezeit in Kiev beträgt nur 24 Minuten und unser Nachtzug hat 10
Minuten Verspätung. 14 Minuten sind aber ausreichend, um auch mit Koffern
beladen einen Gleiswechsel auf dem Kiever Hauptbahnhof vorzunehmen und dabei
eine lange Treppe zu erklimmen eine andere, genau so lange
herunterzusteigen.

Der D 29KJ nach Berlin steht zur Abfahrt bereit. Er besteht aus 5 WLABs
Kiev - Berlin, einem WLAB Harkov - Berlin und mehreren Kupe- und
Platzkartnyj-Kurswagen Moskau - Jitomir, die bis Korosten' mitfahren. Wir
geben Fahr- und Bettkarte bei der Schaffnerin ab und steigen ein. Da wir
noch ein wenig schlafen möchten, bitten wir die Schaffnerin, uns die
Bettwäsche auszuhändigen und das obere Bett (das mittlere ist weggeklappt
und dient als Rückenlehne) etwas abzusenken, da wir Double gebucht haben.
Double? Wirklich? Die Schaffnerin ist da etwas erstaunt und geht ins
Dienstabteil, um sich die Bettkarte nochmal anzusehen. Dann senkt sie das
obere Bett wie gewünscht herab. Offenbar fährt von Kiev nach Berlin sehr
selten jemand im Double.

Loading Image...

Von Korosten' bis Jagodin wird der Zug von der aus zwei Sektionen
bestehenden Diesellok 2M62 gezogen, die gezeigte Aufnahme entstand in Kovel.
Ich habe den Lokführer gefragt, warum denn 6 Wagen von einer Doppellok
gezogen werden, das wäre doch etwas verschwenderisch. Eine M62 müsste doch
auch reichen. Darauf sagte er mir, eine M62 könnte den Zug natürlich auch
ziehen, allerdings würde sie nicht schnell genug beschleunigen können, um
den straffen Fahrplan zwischen Korosten' und Kovel einzuhalten. OK, das mag
ein Argument sein, aber durch den 45-minütigen Aufenthalt in Kovel wird die
durch den Einsatz der Doppellok eingesparte Zeit wieder mehrfach
verspielt... Den Einsatz einer Doppellok bleibt somit für mich eine
Ressourcenverschwendung. Der D 29KJ steht in Kovel offenbar deshalb so lange
rum, weil die Ankunft des Gegenzuges aus Berlin abgewartet werden muss, um
die eingleisige Strecke nach Jagodin befahren zu können. Allerdings hat sich
der Gegenzug aus Berlin bei unserer Fahrt um 20 Minuten verspätet, sodass
unser Aufenthalt in Kovel ganze 65 Minuten betrug. Im Zuge der
Grenzüberquerung baute sich die bereits vorhandene Verspätung auf ca. 1
Stunde aus, die bei Ankunft in Berlin allerdings nur noch 15 Minuten betrug.
Den ICE nach Duisburg erreichten wir daher planmäßig. Schade, dass wir
keinen Anschlussverlust hatten. Das hätte in Duisburg eine Gesamtverspätung
von mindestens einer Stunde ergeben, sodass man 10% vom Fahrkartenpreis (20%
des halben Fahrkartenpreises) und jeweils 20% der Reservierungsentgelte von
Odessa nach Kiev und von Kiev nach Berlin von der DB als Gutschein hätte
erstattet bekommen können.

Interessant ist die Tatsache, dass im D 29KJ/344 zwar DB-Kontrolleure
zwischen Frankfurt(Oder) und Berlin an Board waren, die Fahrscheine aber
nicht geknipst haben. Ich habe sie gefragt, ob sie ein Online-Ticket
kontrollieren könnten, worauf sie mir antworteten, dass dies durchaus
möglich wäre, auch wenn es bisher noch nie vorgekommen ist. Dann habe ich
sie noch auf den Halt in Frankfurt(Oder) angesprochen. Dass Frankfurt(Oder)
für den D 345/344 nur ein Betriebshalt ist, wussten sie gar nicht und haben
extra in ihren Unterlagen nachgeschaut, wo dies tatsächlich so vermerkt war.
Die DB-Kontrolleure sagten mir, dass sie im Prinzip nichts dagegen
einzuwenden hätten, wenn man in Frankfurt(Oder) ein- oder aussteigt.


So, jetzt sind wir am Ende angelangt. Ich würde mich über Kommentare und
Anregungen sehr freuen!

---------------
Max Schmied
Bodo G. Meier
2007-10-02 18:59:21 UTC
Permalink
Post by Max Schmied
Ende August stand Urlaub in der GUS an. Es ging zunächst für 13 Tage nach
Minsk und anschließend für weitere 8 Tage nach Odessa.[...]
Danke für den interessanten Bericht!
Die links zu imageshack zeigen auf meinem Rechner allerdings nur sehr
kleine Bilder an, z.B. 150x79 pixel. Die Bilder sind auch nicht klickbar.

Habe ich da was flasch eingestellt (Firefox 2.0.0.7) oder hast Du
versehentlich die URL von thumbnails für eine Übersicht in den Text kopiert?

Gruss,
Bodo
--
Bodo G. Meier * dr. rer. nat. * Trondheim * Norway
URL: http://homefree.freewave.no/~s1357394/
Max Schmied
2007-10-02 19:34:47 UTC
Permalink
Post by Bodo G. Meier
Habe ich da was flasch eingestellt (Firefox 2.0.0.7) oder hast Du
versehentlich die URL von thumbnails für eine Übersicht in den Text kopiert?
Danke für den Hinweis! Ich habe jetzt die Bilder-Links korrigiert!


---------------
Max Schmied
Max Schmied
2007-10-02 19:33:58 UTC
Permalink
Ende August stand Urlaub in der GUS an. Es ging zunächst für 13 Tage nach
Minsk und anschließend für weitere 8 Tage nach Odessa. Als Verkehrsmittel
kam natürlich nur die Bahn in Frage, wobei auf den Reisekomfort großen Wert
gelegt wurde. In Weißrussland verbrachten wir unseren Urlaub in einem
Erholungszentrum http://sanatorii.by/?obj=159 an der Minsker Seenplatte
(Minskoe More und die angrenzenden Seen). In Odessa wählten wir das
Zwei-Sterne-Hotel Arkadia im gleichnamigen Stadtteil als Unterkunft.
Erholungszentrum und Hotel wurden ca. einen Monat vor Abfahrt von zu Hause
aus per Telefon und Fax reserviert.

Vorab eine Auflistung der für die Reise ausgewählten Züge:

EN 349 Duisburg - Minsk
D 94BJ Minsk - Odessa (fährt via Kiev)
D 106SH Odessa - Kiev
D 29KJ Kiev - Berlin Gesundbrunnen
IC 144 Berlin Gesundbrunnen - Berlin Hbf (lustig: nur 4 Minuten Reisezeit
in einem IC)
ICE 642 Berlin Hbf - Duisburg


Bei einer Hin- und Rückfahrt mit dem Endziel in der Ukraine kommt bei zwei
Personen als Fahrkarte natürlich nur der Sparpreis Ukraine mit Sparpreis 50
für Deutschland in Frage. Die zweimonatige Gültigkeitsdauer eines solchen
Fahrscheins im Ausland (Zugbindung nur in Deutschland) ist für den
Aufenthalt in Minsk natürlich ideal. Einziges Dilemma hierbei ist, dass der
Weg nach Odessa über Minsk eigentlich ein Umweg ist und der Sparpeis Ukraine
nur im direkten Transit durch Polen gewährt wird. Ein Blick ins TCV-Heft IV
offenbart, dass die einzige
durchgehend ausstellbare Relation nach Odessa im Transit durch Polen und
Weißrussland die folgende ist:
<1251>Warszawa*Brest(Gr)<0021>Zabolote(Gr)<0022>Kovel*Luck*Rovno*Zdolbunov*Vapniarka.
Das passt von der Streckenführung natürlich so gut wie gar nicht. Über
Zabolote(Gr) fahren mittlerweile nur noch Nahverkehrszüge. Selbst wenn es
den Sparpreis Ukraine auch im Transit durch Weißrussland gäbe und sogar eine
durchgehende Relation nach Odessa via Minsk und Kiev hinterlegt wäre, so
würde der Sparpreis sicherlich nur bei Transit durch Polen und Weißrussland
auf der Hin- und Rückfahrt verkauft werden können. Wir fahren auf der
Rückfahrt aber im direkten Transit durch Polen, da dies der kürzeste Weg ist
und für Weißrussland ansonsten auch noch ein Transitvisum erforderlich wäre.

Loading Image...
Loading Image...

Ich beschließe, den Sparpreis Ukraine via Jagodin(Gr) zu erwerben und
ungeachtet des fehlenden weißrussischen Abschnitts Brest(Gr) - Teriuha(Gr)
wie geplant zu fahren. Sollten von den Schaffnern Rückfragen kommen, so
würde ich mich dumm stellen und darauf verweisen, dass man mir den
Fahrschein inklusive der Reservierungen für alle benutzten Züge in
Deutschland so verkauft hat und dass alles schon so seine Richtigkeit haben
muss. Im schlimmsten Fall würde man unterwegs ein wenig nachlösen müssen.
Dies wäre aber auf jeden Fall billiger, als in Deutschland einen nicht
ermäßigten TCV-Fahrschein Brest(Gr) - Teriuha(Gr) hinzuzukaufen. Für die
Rückreise von Odessa via Kiev ist die Relation Nr. 332
<1251>Poznan*Warszawa*Lublin*Chelm*Jagodin(Gr)<0022>Kovel*Olevsk*Kiev*Vapniarka*Kotovsk
genau richtig. Welche Relation soll aber für die Hinfahrt gewählt werden?
Wirklich passen wird sie wegen des fehlenden weißrussischen Abschnitts
sowieso nicht. Man könnte natürlich auch für die Hinfahrt die Relation Nr.
332 nehmen. Ich beschließe jedoch, für die Hinfahrt die Relation Nr. 3234
<1251>Poznan*Warszawa*Lublin*Chelm*Jagodin(Gr)<0022>Kovel*Rovno*Kazatin*Kiev*Vapniarka
auszuwählen. Diese ist für den längeren Weg via Rovno - Kazatin - Kiev -
Kazatin (Kazatin wird zwei Mal durchfahren) gedacht, wenn man also z. B. mit
dem D 68 von Warschau nach Kiev und dann von Kiev weiter nach Odessa fahren
würde. (Interessanter Weise hält der D 68 gar nicht in Kazatin, er fährt da
einfach vorbei!) Der Preis des Sparpreises Ukraine hängt übrigens nicht von
der genauen Streckenlänge ab (nur zwei Preisstufen: <= 750 ukrainische
Kilometer und > 750 ukrainische Kilometer). Zwischen Teriuha(Gr) und Kiev
würde man auch nicht im Einklang mit dem Wegtext fahren. Immerhin könnte ich
im unwahrscheinlichen Fall einer Diskussionen mit dem Zugpersonal aber
darauf verweisen, dass die Strecke Jagodin(Gr)<0022>Kovel*Rovno*Kazatin*Kiev
länger ist als die tatsächlich gefahrene Strecke Teriuha(Gr) - Kiev. Ab Kiev
würde dann die Wegvorschrift auf der Fahrkarte endlich mit der tatsächlich
gefahrenen Strecke übereinstimmen. Durch die Auswahl unterschiedlicher
Relationen für Hin- und Rückfahrt wirkt die Fahrkarte außerdem furchtbar
kompliziert. Es steht sehr viel Text drauf und dies auch noch in einer sehr
kleinen Schrift. Die Schaffner werden das bestimmt nicht lesen wollen und
den Fahrschein möglicherweise auch so gutheißen. Das DB-Verkaufssystem kann
höchstens vier Zeilen Wegtext auf einer Fahrkarte unterbringen. Ist der
Wegtext zu lang, um in der Standardschrift (vergleiche
http://www.railfaneurope.net/pix/de/ticket/computer/DB_Ticket_Kiev_Berlin.jpg)
in vier Zeilen dargestellt zu werden, so wird die Schriftart verkleinert, um
den Wegtext abermals in höchstens vier Zeilen auf dem Fahrschein
unterzubringen. Ist er immer noch zu lang, so ist die Ausstellung der
Fahrkarte schlicht und ergreifend nicht möglich. Es bleibt noch zu erwähnen,
dass auf der Hinfahrt in Polen hinter Warschau ebenfalls eine Inkonsistenz
zwischen der gefahrenen und der im Fahrschein vorgegebenen Strecke besteht.
Auch hier würde ich im Falle einer Diskussion darauf verweisen, dass der
bezahlte Wegabschnitt Warszawa*Lublin*Chelm*Jagodin(Gr) länger ist als der
tatsächlich gefahrene Abschnitt Warszawa - Brest(Gr).

Der Fahrkartenkauf am DB-Schalter nimmt eine gute halbe Stunde in Anspruch.
Ich bitte den netten Fahrkartenverkäufer, bei der Hinfahrt die Verbindung
über Minsk aufzubauen und dabei einen 13-stündigen Aufenthalt vorzugeben.
Heraus kommt meine Wunschverbindung mit dem EN 349 und dem D 94BJ, bloß dass
man hier nach Ankunft in Minsk direkt am nächsten Morgen weiter nach Odessa
fährt. Eine Aufenthaltsdauer von 13 Tagen kann nicht eingegeben werden
(maximal 48 h), was aber auch gar nicht notwendig ist - im Ausland besteht
eh keine Zugbindung. Ich sage dem Fahrkartenverkäufer dann auch direkt,
welche Relation (mit der entsprechenden Nummer) ich bei der Hinfahrt und
welche bei der Rückfahrt ausgewählt haben möchte. Der nette
Fahrkartenverkäufer sieht gleich, dass ich mich sehr gut auskenne und
befolgt alle meine Wünsche und Hinweise. Diese sind auch notwendig, denn
erwartungsgemäß zeigt das Verkaufssystem NVS für die aufgebaute Verbindung
keinerlei Preise an. NVS tut sich schon schwer damit, für Berlin -
Kaliningrad ohne die manuelle Relationenauswahl einen Preis anzuzeigen, was
will man schon bei Duisburg - Odessa via Minsk erwarten, wo wirklich keine
komplett passende Relation existiert. Also rufen wir das Menü für die
manuelle Relationenauswahl auf, wo von NVS allerdings mitgeteilt wird, dass
zum Bahnhof "Odessa Gl." keinerlei Relationen hinterlegt sind. Das ist
natürlich glatt gelogen und eine gemeine Tücke des NVS-Systems. Ich empfehle
dem Fahrkartenverkäufer daher, statt "Odessa Gl." als Zielbahnhof
"ODESSA(TCV)" auszuwählen, was genau wie "BERLIN" oder "MOSKVA(TCV)" für
alle Bahnhöfe der jeweiligen Stadt steht. Siehe da, jetzt können die
Relationen für Hin- und Rückfahrt wie gewohnt ausgewählt werden und man
erhält im Anschluss die Normal- und Sparpreise für die gewünschte Verbindung
angezeigt. Die Tücke mit dem Zielbahnhof ist mir schon von Riga bekannt: Da
gibt es auch den Bahnhof "Riga Pass" und "RIGA(TCV)". Im Zweifelsfall sollte
man immer den Bahnhof mit dem Kürzel "TCV" auswählen, dann klappt es auch
mit der manuellen Relationenauswahl. So, nun ist der Fahrschein aber endlich
ausgestellt.

Loading Image...

Ich möchte nach Minsk eigentlich im BC-Schlafwagen fahren, da hier zum einen
die Reservierung im T3 nur 21 ? p. P. kostet und zum anderen die
weißrussischen Schaffnerinnen in der Regel netter sind als die russischen
Schaffner(innen). Aber der BC-Schlafwagen ist bereits vollständig
ausgebucht. Das ist traurig, aber was soll man machen. So wird in den
RZD-Wagen für 26 ? p. P. reserviert und "insgesamt 10 ? zu viel bezahlt".

Loading Image...

Die Reise wurde so geplant, dass ein in Polen wohnender Bekannter, der
geschäftlich nach Brest muss, mit uns zusammen mitfahren kann. Er wird am
frühen Morgen in Kunto zusteigen. Die Fahrkarte kauft er vor Ort, die
Reservierung kaufe ich für ihn, sodass er in unserem Abteil mitfahren kann.
Hierfür drei T3-Plätze Duisburg - Minsk zu buchen, wäre pure
Geldverschwendung, die Reservierung Kutno - Brest kostet mit 9 ? nur einen
Bruchteil der Reservierung Duisburg - Minsk. Buchungen in den EN 349 ab
Kutno sind allerdings nicht so ganz ohne. Dass man im EN 349 von Kutno nach
Brest fahren kann, ist ein ganz großes Geheimnis. Man wird diese Verbindung
weder in DB-HAFAS noch in PKP-HAFAS finden können, da beim EN 349 für
sämtliche Stationen vor Warszawa Wschodnia die Abfahrtszeiten herausoperiert
worden sind. Füttert man die Reservierungsmaske allerdings händisch mit
allen relevanten Daten, so lässt sich Kutno - Brest dennoch buchen. Die
nächste Hürde besteht nun darin, dem Reservierungssystem das obere Bett
unseres Abteils zu entlocken. Eine platzscharfe Buchung ist von der
Eingabemaske her zwar möglich, klappt aber laut Schaltermitarbeiter leider
nur bei den Tageszügen. So müssen wir also so lange obere Betten buchen, bis
das zu den Betten 31 und 33 passende obere Bett 35 ausgespuckt wird. Erst
nach 11 oder 12 weggebuchten oberen Betten teilte das Reservierungssystem
endlich das gewünschte Bett 35 zu. Die anderen Bettplätze wurden darauf
storniert.

Loading Image...

Der Zug Minsk - Odessa ist von Deutschland aus problemlos buchbar - ein
T4-Bettplatz kostet 17 ?. Wir würden am liebsten im Double reisen, doch der
Zug führt nur Kupe- und Platzkartnyj-Wagen. Wenn man Glück hat, so lernt man
in einem T4-Abteil ein oder zwei interessante Mitreisende kennen, hat man
allerdings Pech, so fährt man wie 'fuente'
http://www.spin.de/hp/Fuente/blog/2007/8 zusammen mit einer nicht
kontaktfreudigen Mutter, einem ebensowenig kontaktfreudigen Vater und ihren
zwei tobenden kleinen Kindern (Kinder unter 6 Jahren brauchen weder ein
eigenes Bett noch einen eigenen Fahrschein) in einem Abteil zusammen. Es
gibt für solche Fälle allerdings einen Geheimtip: In manchen Zügen werden in
einigen Kupe-Wagen die für zwei Personen konzipierten Schaffner-Abteile (ein
unteres und ein oberes Bett, Plätze 37 und 38) an die Reisenden verkauft,
während die Schaffner es sich im ersten für die Reisenden gedachten Abteil
bequem machen. Über ticket.rzd.ru finde ich heraus, dass im Zug 94BJ
ebenfalls ein solches Abteil zur Buchung freigeschaltet ist und zwar in
Wagen 7. Nun müssen wir es nur noch buchen, dann haben wir Double zum Preis
von T4 gekauft und uns garantierten Reisekomfort für die ca. 24-stündige
Reise gesichert. Ich schildere also dem Schaltermitarbeiter mein Anliegen
und er fängt an zu buchen... Zunächst gibt das Express-Reservierungssystem
Plätze im Wagen 8 heraus, beginnend mit den niedrigsten Platznummern. Also
müssen wir den gesamten Wagen 8 leerbuchen, damit als nächstes hoffentlich
Wagen 7 dran ist. Die Sache geht auf. Nachdem Wagen 8 leergebucht worden
ist, ist nun Wagen 7 an der Reihe, zunächst wieder die niedrigsten
Platznummern. Erst nach Wegbuchen sämtlicher anderer Plätze in Wagen 7
gehört das begehrte Schaffnerabteil endlich uns. Es war wie gesagt auch das
einzige im ganzen Zug, welches zum Verkauf freigegeben war.

Loading Image...

Loading Image...

Die Züge Odessa - Kiev und Kiev - Berlin müssen bekanntlich per Fax bestellt
werden. Von Odessa nach Kiev ist es nur eine Nacht, da reicht ein T4-Abteil
vollkommen aus, von Kiev - nach Berlin soll es allerdings ein Double-Abteil
sein, denn die RIC-WLABs sind bekanntlich für drei Personen ein wenig zu eng
und man möchte auf der Rückfahrt auch seine Ruhe haben, wer weiß, was man
für einen Mitreisenden bekommt. Nach zwei Werktagen sind die Reservierungen
auch schon da und können abgeholt werden. Odessa - Kiev wurde übrigens nach
der kilometerbasierten Binnenverkehrstabelle
http://www.uz.gov.ua/index.php?m=info.normdocs.prav_pas&f=Doc.View&p=nakaz_pastarif.4&lng=uk
tarifiert. Man beachte, dass bei der T4-Reservierung 2. Klasse steht, bei
der Double-Reservierung hingegen 1. Klasse. Den Klassenübergang in die 1.
Klasse von Kiev bis Jagodin(Gr) sparen wir uns, da die Schaffner
erfahrungsgemäß auch die Double-Nutzung mit Fahrscheinen 2. Klasse dulden.
UZ-Verkaufsstellen hätten allerdings ganz sicher keine Double-Reservierung
zu einem Fahrschein 2. Klasse ausgestellt. Aber wer kauft schon die
Rückreservierung bei der UZ? Mit der obligatorischen Schaltergebühr (3-5 ?
p. P.) und der Versicherungsgebühr wird man dort regelrecht abgezockt.

Bei den per Fax bestellten Reservierungen will ich noch auf die 14-stellige
(statt 12-stellige) von Leipzig vergebene Pseudo-EPA-Nummer hinweisen, die
mit 22 (Ukraine) anfängt und bei allen Ukraine-Reservierungen identisch ist.

Loading Image...

Die Sitzplatzreservierung im ICE gibt es dann als Anschlussreservierung zum
D 29KJ Kiev - Berlin gratis dazu.



http://img251.imageshack.us/img251/4153/zuglaufschildmoskaufranqr9.jpg

So, jetzt geht die Fahrt los. Ich gebe dem RZD-Schaffner die Reservierung
bis Minsk und die Fahrkarte nach Odessa, worauf er uns einsteigen lässt. Es
kommen erwartungsgemäß keine Rückfragen, dass unsere Fahrkarte irgendwie
nicht zur Fahrt via Minsk berechtigt. Wunderbar. Der DB-Kontrolleur und der
PKP-Kontrolleur bis Warschau werden auch nichts zu beanstanden haben, da bis
Warschau die gefahrene Strecke zu der auf dem Fahrschein vorgegebenen passt.
In Warschau werden dann die PKP-Wagen abgekoppelt und die drei RZD-Wagen mit
dem BC-Wagen, alle übrigens zu 100% ausgebucht, dem D 12 (Ost-West-Express)
Warschau - Moskau beigegeben. Der Stammzug ist dabei eigentlich eine
Lachnummer, er besteht nur aus zwei RZD- und einem PKP-Wagen. Früher hatte
er mindestens fünf Wagen. Durch die Wiedereinführung des Polonez scheint
wohl die Nachfrage im Ost-West-Express stark zurückgegangen zu sein. Jetzt
wird es spannend: Der PKP-PR-Kontrolleur kommt und kontrolliert die
Fahrscheine. Ich bereite mich schon auf eine mögliche Diskussion vor. Diese
ist aber gar nicht notwendig, da der Kontrolleur alle Fahrscheine im
Schaffnerabteil bereits geknipst hat und im nächsten Wagen verschwunden ist.

In Terespol kommen wir bereits mit einer halben Stunde Verspätung an, bei
Ankunft in Brest sind es schon 50 Minuten. Während der Zug umgespurt wird,
machen wir einen kleinen Spaziergang rund um den Bahnhof. Bei der starken
Verspätung wird trotz des zweistündigen Aufenthalts auch die Abfahrt
erwartungsgemäß nicht mehr pünktlich erfolgen können. So kommt es dann auch.
Interessant ist, dass auf den elektronischen Zugtafeln im Bahnhof als
Abfahrtszeit statt 17:48 18:18 erscheint. Von einer Verspätung steht dort
nichts. Auch die mehrmals ertönenden Durchsagen verschweigen die Verspätung
und kündigen an, dass unser Zug um 18:18 abfährt. In Brest wird unser Zug
als "Zug 12 von Warschau nach Moskau" durchgesagt, in Minsk hören wir
dagegen, dass "Zug 12 von Frankfurt am Main nach Moskau" eingefahren ist.
Die Verspätung in Minsk beträgt nur noch 15 Minuten.



Loading Image...

Loading Image...

Wie man auf den Fotos schon sieht, geht es nun nach Odessa. Ich zeige der
älteren Schaffnerin die Bettkarte sowie die Fahrkarte und sie lässt uns
einsteigen. Die Schaffnerin erzählt mir, dass sie früher 15 Jahre lang auf
internationalen Zugläufen ihren Dienst verrichtet hat und sich daher auch
mit internationalen Fahr- und Bettkarten auskennt. Allzugut scheint sie sich
aber doch nicht auszukennen, denn sie fragt uns später, ober wir Bettwäsche
haben möchten und nennt uns den entsprechenden Preis - 3500 BYR (1,20 ?) pro
Person. Ich erkläre ihr darauf, dass bei Reservierungen zum internationalen
Tarif die Bettwäsche immer im Preis inkludiert ist, nicht umsonst würde auf
der Reservierung "inklusive Zuschlag" draufstehen. Sie antwortet darauf,
dass die Bettwäsche nur im internationalen Verkehr mit Westeuropa im Preis
inkludiert sei, nicht jedoch im GUS-Binnenverkehr. Ich weise sie nochmal auf
den Vermerk "inklusive Zuschlag" hin, worauf sie sich zur Zugcheffin begibt,
um die Sache mit der Bettwäsche abschließend zu klären. Nach fünf Minuten
kommt sie dann wieder und händigt uns in der Tat kostenlos die Bettwäsche
aus. OK, die Bettwäsche ist inkludiert, aber zu Abrechnungszwecken müsse sie
den Durchschlag der Reservierung und der Fahrkarte behalten. Ich erkläre
ihr, dass es bei internationalen Fahrscheinen im Gegensatz zu
BC-Binnenfahrkarten keine Durchschläge gibt, sondern immer nur das Original.
Die Fahrkarte könne sie nicht behalten, wohl aber die Reservierung, falls es
wirklich erforderlich ist. So behält sie also die Reservierung und gibt uns
die Fahrkarte später zurück, auf deren Rückseite sie Datum und Zugnummer
einträgt. Dass die Wegvorschrift nicht ganz passt, ist dieser Schaffnerin
ebenfalls nicht aufgefallen. Sie hat wahrscheinlich nur geschaut, dass wir
von Duisburg nach Odessa fahren und das stimmte ja. Das
Double-Schaffnerabteil hat sich als sehr geräumig herausgestellt. Es ist
genauso breit wie die Abteile im RIC-Schlafwagen und verfügt ebenfalls über
einen klappbaren Sitz. Unser Wagen ist in Ammendorf gebaut worden. Die
neueren in Tver (Russland) gebauten Kupe-Wagen haben allerdings etwas engere
Schaffnerabteile, wo auch die Betten etwas kürzer sind als üblich. In diesen
Wagen ist die Buchung des Schaffnerabteils nur bedingt empfehlenswert.

So, die Sache mit der falschen Wegvorschrift ist überstanden. Alle Schaffner
und Kontrolleure haben unseren Fahrschein ohne Rückfragen durchgehen lassen.
Wegen dem fehlenden weißrussischen Abschnitt brauch ich auch kein schlechtes
Gewissen zu haben, haben wir doch an Weißrussland und somit auch teilweise
an die weißrussische Staatsbahn pro Person 65 ? an Visumgebühren gezahlt.



Kommen wir nun zur Rückfahrt. Die Schaffnerin im Nachtzug D 106SH ist jung,
war bisher noch nicht im internationalen Verkehr tätig und blickt daher
weder bei der Fahrkarte noch bei der Bettkarte durch. Ich erkläre ihr, dass
auf der Fahrkarte der Wegtext und auf der Reservierung die Angaben zum Zug
draufstehen. Nachdem ich ihr alles erklärt und gezeigt habe, nimmt sie
Fahrschein und Reservierung entgegen lässt uns rein. Denn Sinn eines
internationalen Fahrscheins scheint sie aber trotzdem nicht verstanden zu
haben, steht doch auf der Reservierung alles Relevante bereits drauf... Am
nächsten Morgen kriegen wir dann unaufgefordert beide Dokumente zurück. Die
Umsteigezeit in Kiev beträgt nur 24 Minuten und unser Nachtzug hat 10
Minuten Verspätung. 14 Minuten sind aber ausreichend, um auch mit Koffern
beladen einen Gleiswechsel auf dem Kiever Hauptbahnhof vorzunehmen und dabei
eine lange Treppe zu erklimmen eine andere, genau so lange
herunterzusteigen.

Der D 29KJ nach Berlin steht zur Abfahrt bereit. Er besteht aus 5 WLABs
Kiev - Berlin, einem WLAB Harkov - Berlin und mehreren Kupe- und
Platzkartnyj-Kurswagen Moskau - Jitomir, die bis Korosten' mitfahren. Wir
geben Fahr- und Bettkarte bei der Schaffnerin ab und steigen ein. Da wir
noch ein wenig schlafen möchten, bitten wir die Schaffnerin, uns die
Bettwäsche auszuhändigen und das obere Bett (das mittlere ist weggeklappt
und dient als Rückenlehne) etwas abzusenken, da wir Double gebucht haben.
Double? Wirklich? Die Schaffnerin ist da etwas erstaunt und geht ins
Dienstabteil, um sich die Bettkarte nochmal anzusehen. Dann senkt sie das
obere Bett wie gewünscht herab. Offenbar fährt von Kiev nach Berlin sehr
selten jemand im Double.

Loading Image...

Von Korosten' bis Jagodin wird der Zug von der aus zwei Sektionen
bestehenden Diesellok 2M62 gezogen, die gezeigte Aufnahme entstand in Kovel.
Ich habe den Lokführer gefragt, warum denn 6 Wagen von einer Doppellok
gezogen werden, das wäre doch etwas verschwenderisch. Eine M62 müsste doch
auch reichen. Darauf sagte er mir, eine M62 könnte den Zug natürlich auch
ziehen, allerdings würde sie nicht schnell genug beschleunigen können, um
den straffen Fahrplan zwischen Korosten' und Kovel einzuhalten. OK, das mag
ein Argument sein, aber durch den 45-minütigen Aufenthalt in Kovel wird die
durch den Einsatz der Doppellok eingesparte Zeit wieder mehrfach
verspielt... Den Einsatz einer Doppellok bleibt somit für mich eine
Ressourcenverschwendung. Der D 29KJ steht in Kovel offenbar deshalb so lange
rum, weil die Ankunft des Gegenzuges aus Berlin abgewartet werden muss, um
die eingleisige Strecke nach Jagodin befahren zu können. Allerdings hat sich
der Gegenzug aus Berlin bei unserer Fahrt um 20 Minuten verspätet, sodass
unser Aufenthalt in Kovel ganze 65 Minuten betrug. Im Zuge der
Grenzüberquerung baute sich die bereits vorhandene Verspätung auf ca. 1
Stunde aus, die bei Ankunft in Berlin allerdings nur noch 15 Minuten betrug.
Den ICE nach Duisburg erreichten wir daher planmäßig. Schade, dass wir
keinen Anschlussverlust hatten. Das hätte in Duisburg eine Gesamtverspätung
von mindestens einer Stunde ergeben, sodass man 10% vom Fahrkartenpreis (20%
des halben Fahrkartenpreises) und jeweils 20% der Reservierungsentgelte von
Odessa nach Kiev und von Kiev nach Berlin von der DB als Gutschein hätte
erstattet bekommen können.

Interessant ist die Tatsache, dass im D 29KJ/344 zwar DB-Kontrolleure
zwischen Frankfurt(Oder) und Berlin an Board waren, die Fahrscheine aber
nicht geknipst haben. Ich habe sie gefragt, ob sie ein Online-Ticket
kontrollieren könnten, worauf sie mir antworteten, dass dies durchaus
möglich wäre, auch wenn es bisher noch nie vorgekommen ist. Dann habe ich
sie noch auf den Halt in Frankfurt(Oder) angesprochen. Dass Frankfurt(Oder)
für den D 345/344 nur ein Betriebshalt ist, wussten sie gar nicht und haben
extra in ihren Unterlagen nachgeschaut, wo dies tatsächlich so vermerkt war.
Die DB-Kontrolleure sagten mir, dass sie im Prinzip nichts dagegen
einzuwenden hätten, wenn man in Frankfurt(Oder) ein- oder aussteigt.


So, jetzt sind wir am Ende angelangt. Ich würde mich über Kommentare und
Anregungen sehr freuen!

---------------
Max Schmied
Ulf Kutzner
2020-11-27 09:50:51 UTC
Permalink
Post by Max Schmied
Der D 29KJ nach Berlin steht zur Abfahrt bereit. Er besteht aus 5 WLABs
Kiev - Berlin, einem WLAB Harkov - Berlin und mehreren Kupe- und
Platzkartnyj-Kurswagen Moskau - Jitomir, die bis Korosten' mitfahren. Wir
geben Fahr- und Bettkarte bei der Schaffnerin ab und steigen ein. Da wir
noch ein wenig schlafen möchten, bitten wir die Schaffnerin, uns die
Bettwäsche auszuhändigen und das obere Bett (das mittlere ist weggeklappt
und dient als Rückenlehne) etwas abzusenken, da wir Double gebucht haben.
Double? Wirklich? Die Schaffnerin ist da etwas erstaunt und geht ins
Dienstabteil, um sich die Bettkarte nochmal anzusehen. Dann senkt sie das
obere Bett wie gewünscht herab. Offenbar fährt von Kiev nach Berlin sehr
selten jemand im Double.
http://img250.imageshack.us/img250/9192/kaschtaninkovel1xt5.th.jpg
Von Korosten' bis Jagodin wird der Zug von der aus zwei Sektionen
bestehenden Diesellok 2M62 gezogen, die gezeigte Aufnahme entstand in Kovel.
Ich habe den Lokführer gefragt, warum denn 6 Wagen von einer Doppellok
gezogen werden, das wäre doch etwas verschwenderisch. Eine M62 müsste doch
auch reichen. Darauf sagte er mir, eine M62 könnte den Zug natürlich auch
ziehen, allerdings würde sie nicht schnell genug beschleunigen können, um
den straffen Fahrplan zwischen Korosten' und Kovel einzuhalten. OK, das mag
ein Argument sein, aber durch den 45-minütigen Aufenthalt in Kovel wird die
durch den Einsatz der Doppellok eingesparte Zeit wieder mehrfach
verspielt... Den Einsatz einer Doppellok bleibt somit für mich eine
Ressourcenverschwendung.
Gab es auch mit 5

https://www.parovoz.com/newgallery/pg_view.php?ID=100495#picture

oder gar 4 Wagen.

https://www.parovoz.com/newgallery/pg_view.php?ID=228378#picture

Irgendwann hatte man doch ein Einsehen:

https://www.parovoz.com/newgallery/pg_view.php?ID=295688#picture
Post by Max Schmied
Der D 29KJ steht in Kovel offenbar deshalb so lange
rum, weil die Ankunft des Gegenzuges aus Berlin abgewartet werden muss, um
die eingleisige Strecke nach Jagodin befahren zu können.
Zeitweise waren in Kowel auch Rangierarbeiten vorgesehen.
Bodo G. Meier
2020-11-27 12:23:09 UTC
Permalink
Post by Ulf Kutzner
Post by Max Schmied
Der D 29KJ nach Berlin steht zur Abfahrt bereit. Er besteht aus 5 WLABs
Kiev - Berlin, einem WLAB Harkov - Berlin und mehreren Kupe- und
Platzkartnyj-Kurswagen Moskau - Jitomir, die bis Korosten' mitfahren.
"Es war einmal..." :´-(
Post by Ulf Kutzner
Gab es auch mit 5
https://www.parovoz.com/newgallery/pg_view.php?ID=100495#picture
oder gar 4 Wagen.
https://www.parovoz.com/newgallery/pg_view.php?ID=228378#picture
https://www.parovoz.com/newgallery/pg_view.php?ID=295688#picture
Es gab mal Zeiten, da konnte man Berlin - Novosibirsk in einem Kurswagen
reisen.
Aus und vorbei... :-(

Gruß,
Bodo
--
Postheroische Vampirkartoffel! (Sepp Ruf in de.rec.fahrrad)
Ulf Kutzner
2020-11-27 12:35:23 UTC
Permalink
Post by Bodo G. Meier
Post by Max Schmied
Der D 29KJ nach Berlin steht zur Abfahrt bereit. Er besteht aus 5 WLABs
Kiev - Berlin, einem WLAB Harkov - Berlin und mehreren Kupe- und
Platzkartnyj-Kurswagen Moskau - Jitomir, die bis Korosten' mitfahren.
"Es war einmal..." :´-(
Es war zuletzt gelegentlich die Rede von einer Reaktivierung der
Verbindung. Sollte dann aber nicht, wie zuletzt der Warschauer
Zug, verkehrshaltlos zwischen Grenze und hauptstadt verkehren.
Nach Kyiv wird gerne geflogen, nach Kowel käme man brauchbar
nur mit dem Zug.

Gut, solange der/das Krönchenvirus wütet, wollen die Ukrainer
keine internationalen Zugverbindungen.
Post by Bodo G. Meier
Es gab mal Zeiten, da konnte man Berlin - Novosibirsk in einem Kurswagen
reisen.
Sehr kurzzeitig sogar bis Irkutsk.
Post by Bodo G. Meier
Aus und vorbei... :-(
Das wird wohl so bald auch nicht wiederkommen. Die Wagen
mit RIC-Umgrenzungsprofil sind für mehrtägige Fahrten doch
etwas beengt, und die breitprofilwagen läßt man nicht einmal
mehr nach Warszawa Wschodnia, geschweige denn Frankfurt
oder Berlin.

Gruß, ULF
Markus Ermert
2020-12-06 10:09:25 UTC
Permalink
Post by Ulf Kutzner
Sehr kurzzeitig sogar bis Irkutsk.
Wann und in welchem Fahrplan denn das?
Post by Ulf Kutzner
Post by Bodo G. Meier
Aus und vorbei... :-(
Das wird wohl so bald auch nicht wiederkommen. Die Wagen
mit RIC-Umgrenzungsprofil sind für mehrtägige Fahrten doch
etwas beengt, und die breitprofilwagen läßt man nicht einmal
mehr nach Warszawa Wschodnia, geschweige denn Frankfurt
oder Berlin.
Warum nicht?

Lesen Sie weiter auf narkive:
Loading...