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Schneller mit dem Zug von Salzburg nach München/Innsbruck
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p***@yahoo.de
2013-05-24 22:15:54 UTC
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Immer wenn ich mit dem Railjet von Salzburg nach München oder Innsbruck fahre ärgere ich mich über den enormen Zeitverlust zwischen Freilassing und Rosenheim. Ganz besonders schlimm ist eine mir endlos vorkommende Schleife zwischen Bernau und jenem Punkt bei Rosenheim wo die Inntalbahn Richtung Innsbruck abzweigt. Während die Autobahn geradlinig die beiden Orte binnen Minuten verbindet, schlängelt sich die Bahn im Schneckentempo am Chiemsee vorbei. Wenn die Bahnstrecke nur einige Kilometer südlich entlang der Autobahn verliefe, könnten wohl mindestens 20-30 Minuten an Fahrzeit eingespart werden, selbst bei moderaten Geschwindigkeiten von 120-140km/h. Damit könnte man auf die geplante Verlegung der Strecke Salzburg-München über Mühldorf verzichten. Diese bringt dem innerösterreichischen Verkehr nämlich gar nichts, verzögert sich schon seit Jahren, und soll ja im Endausbau zwischen Salzburg und München auch nur maximal eine halbe Stunde Fahrtzeitverkürzung bringen.

Der Bau einer kurzen Neubaustrecke entlang der bundesdeutschen A8, die keine Hochgeschwindigkeitsstrecke sein müsste, sollte also meines Erachtens mehr Zeiteinsparung entlang der EU-Magistrale Paris-Budapest bringen als so manche Milliardenprojekte wie Stuttgart 21 oder aktuelle Neubaustrecken entlang der österreichischen Westbahn. Haben die Verantwortlichen bei ÖBB und DB, oder Politiker in Österreich, Bayern und der EU, diese Alternative schon mal in Betracht gezogen?
Christoph Biedl
2013-05-29 05:55:47 UTC
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Post by p***@yahoo.de
Immer wenn ich mit dem Railjet von Salzburg nach München oder
Innsbruck fahre ärgere ich mich über den enormen Zeitverlust
zwischen Freilassing und Rosenheim. Ganz besonders schlimm ist eine
mir endlos vorkommende Schleife zwischen Bernau und jenem Punkt bei
Rosenheim wo die Inntalbahn Richtung Innsbruck abzweigt. Während die
Autobahn geradlinig die beiden Orte binnen Minuten verbindet,
^^^^^^^^^^^^^^
Jaja. Darauf komme ich noch zurück.
Post by p***@yahoo.de
schlängelt sich die Bahn im Schneckentempo am Chiemsee vorbei. Wenn
die Bahnstrecke nur einige Kilometer südlich entlang der Autobahn
verliefe, könnten wohl mindestens 20-30 Minuten an Fahrzeit
eingespart werden, selbst bei moderaten Geschwindigkeiten von
120-140km/h.
Diese Einsparung ist wohl eher geträumt als gerechnet. Wie ist denn
im Moment die Fahrzeit zwischen den Verknüpfungspunkten, als Bernau
und Pfraundorf? (Achtung, rhetorische Frage)
Post by p***@yahoo.de
Damit könnte man auf die geplante Verlegung der Strecke
Salzburg-München über Mühldorf verzichten. Diese bringt dem
innerösterreichischen Verkehr nämlich gar nichts, verzögert sich
schon seit Jahren, und soll ja im Endausbau zwischen Salzburg und
München auch nur maximal eine halbe Stunde Fahrtzeitverkürzung
bringen.
Was bei einer Strecke von 150 Kilometern kein Pappenstiel ist.
Post by p***@yahoo.de
Der Bau einer kurzen Neubaustrecke entlang der bundesdeutschen A8,
die keine Hochgeschwindigkeitsstrecke sein müsste, sollte also
meines Erachtens mehr Zeiteinsparung entlang der EU-Magistrale
Paris-Budapest bringen als so manche Milliardenprojekte wie
Stuttgart 21 oder aktuelle Neubaustrecken entlang der
österreichischen Westbahn.
Stuttgart 21 bringt an Durchreisezeit vergleichsweise wenig, aber die
daran mit angehängte Neubaustrecke nach Ulm verspricht einen massiven
Fahrzeitgewinn (von bislang ca. 55 auf dann 29 Minuten), allerdings
mit großem Aufwand.

Und Du unterschätzt den Aufwand für diese kurze Neubaustrecke:
Basistunnel von Bernau bis Rohrdorf, 16 Kilometer, das wird dann mit
Abstand der längste Tunnel in Deutschland. Denn dann Gelände steigt
zuerst steil um 80 Meter an und fällt dann Richtung Rosenheim um 150
Meter ab. Willst Du das nachzeichnen, kommst Du vielleicht noch bei
Frasdorf kurz ans Tageslicht, gehst ansonsten aber direkt von der
Steigung ins Gefälle über. Nicht zuletzt mußt Du in zwei nach Richtung
getrennten Brücken den Inn überqueren, und jede Menge Anwohner- und
Umweltproteste wegbügeln. Das sind alles keine unüberwindlichen
Probleme, nur: Billig wird das nicht.
Post by p***@yahoo.de
Haben die Verantwortlichen bei ÖBB und DB, oder Politiker in
Österreich, Bayern und der EU, diese Alternative schon mal in
Betracht gezogen?
Keine Ahnung, aber vermutlich haben mal ein paar Leute nachgerechnet,
und das sicher besser als ich. Das Ergebnis dürfte gewesen sein: Wäre
ja nett, aber steht in keinem Verhältnis zu den Kosten. Also, mit dem
was mir an öffentlichen Quellen zur Verfügung steht und mit etwas
Kenntnis über die Gegend von gelegentlichen Durchfahrten, Auto wie
Bahn:

Die Bahnlinien: Bernau-Rosenheim sind 30 Kilometer, Rosenheim-
Pfraundorf (Kreuzung mit der A8) 6 Kilometer, Rosenheim-Kufstein 34
Kilometer, Bernau-Kufstein also grob 62. Auf der A8 ist die Entfernung
zwischen den Ausfahrten Rosenheim und Bernau 19 Kilometer, bis zur
Brücke über die Bahnlinie ist es noch einer mehr. Zwar kann man die A8
in "wenigen Minuten" fahren, zehn werden es schon sein, aber dann noch
bis nach Rosenheim hinein braucht kaum weniger.

Ein EC fährt von Rosenheim bis Prien mit Halt dort in 18 Minuten (für
25 Kilometer, das _ist_ langsam), also sollte es ohne Halt bis Bernau
fünf Kilometer weiter 20 Minuten brauchen.

In erster Näherung schätze ich Streckenlängen für eine A8-nahe Führung
ab:

Bernau-Rosenheim: 24 km (6 km weniger)
Bernau-Kufstein: 46 km (16 km weniger)

Damit kann man eigentlich schon aufhören, denn aus deutscher Sicht
steht das nicht dafür: Das bringt einen Fahrzeitgewinn von grob
geschätzt acht Minuten, dafür nimmt man nicht einige hundert
Millionen Euro, eher eine Milliarde in die Hand. Oder höchstens dann,
wenn die bestehende Strecke an der Grenze der Auslastung ist. Für
Rosenheim-Traunstein wäre mir das neu - anders als etwa
Salzburg-Seekirchen-Straßwalchen, wo ja ein sehr ambitionierter Ausbau
kommen soll.

Für die österreichischen Verbindungen zwischen Salzburg und Innsbruck
wird's natürlich lohnender. Mangels Buchfahrplan muß ich ebenfalls aus
Fahrplandaten schätzen und vermute, daß man 15 Minuten gewinnt. Nur
müßte die ÖBB dann die DB davon überzeugen, so eine Strecke für
zwei Züge je Stunde und Richtung zu bauen; oder das auf eigene
Rechnung tun. Vom beidem glaube ich wenig, daß es geschehen wird.

Keine Ahnung, ob irgendwelche anderen Pläne existieren. Beim Blick auf
die Karte würde ich eher eine gerade Linie von Bernau nach Landl kurz
vor Rosenheim ziehen: Das bringt grob zwölf Kilometer für die Münchener
Züge, spart die Probleme bei der Einfädlung Richtung Kufstein, die ich
noch gar nicht weiter erläutert habe - aber halt weniger lohnend für
die Innsbrucker, die dann weiterhin durch die Rosenheimer Kurve
müssen. Und auch diese Strecke würde einige Kunstbauten benötigen. Die
weit nördlich vor den Alpen verlaufende Trassierung aus den 1850ern
hat schon ihre Gründe, Lobbyismus durch Endorf und Prien dürfte es
nicht sein. Um aus Rosenheim-Salzburg eine schnelle Verbindung zu
machen, ist es aber mit so einer Einzelmaßnahme nicht getan, auch in
anderen Abschnitten ist die Geschwindigkeit ziemlich überschaubar.

Christoph
Marc Haber
2013-05-29 18:54:50 UTC
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Post by Christoph Biedl
Basistunnel von Bernau bis Rohrdorf, 16 Kilometer, das wird dann mit
Abstand der längste Tunnel in Deutschland.
Nah. Stuttgart 21.
Post by Christoph Biedl
In erster Näherung schätze ich Streckenlängen für eine A8-nahe Führung
Bernau-Rosenheim: 24 km (6 km weniger)
Bernau-Kufstein: 46 km (16 km weniger)
Damit kann man eigentlich schon aufhören, denn aus deutscher Sicht
steht das nicht dafür: Das bringt einen Fahrzeitgewinn von grob
geschätzt acht Minuten, dafür nimmt man nicht einige hundert
Millionen Euro, eher eine Milliarde in die Hand. Oder höchstens dann,
wenn die bestehende Strecke an der Grenze der Auslastung ist.
Oder wenn man die Kantenfahrzeit damit so kürzt, dass ein vorher nicht
erreichbarer Taktknoten erreichbar wird. Außerdem dürften die
Gemeinden am Chiemsee über den Verlust ihrer Fernverkehrsanbindung
nicht erfreut sein. Deren Klientel reist gerne umsteigefrei an.

Grüße
Marc
--
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2020-10-01 08:39:28 UTC
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Post by Marc Haber
Post by Christoph Biedl
Basistunnel von Bernau bis Rohrdorf, 16 Kilometer, das wird dann mit
Abstand der längste Tunnel in Deutschland.
Nah. Stuttgart 21.
Ich hätte ja gerne die Tunnelideen für Deutschlandtakt
Würzburg - Nürnberg mit Kantenfahrzeit 30 Minuten.
Post by Marc Haber
Post by Christoph Biedl
In erster Näherung schätze ich Streckenlängen für eine A8-nahe Führung
Bernau-Rosenheim: 24 km (6 km weniger)
Bernau-Kufstein: 46 km (16 km weniger)
Damit kann man eigentlich schon aufhören, denn aus deutscher Sicht
steht das nicht dafür: Das bringt einen Fahrzeitgewinn von grob
geschätzt acht Minuten, dafür nimmt man nicht einige hundert
Millionen Euro, eher eine Milliarde in die Hand. Oder höchstens dann,
wenn die bestehende Strecke an der Grenze der Auslastung ist.
Oder wenn man die Kantenfahrzeit damit so kürzt, dass ein vorher nicht
erreichbarer Taktknoten erreichbar wird. Außerdem dürften die
Gemeinden am Chiemsee über den Verlust ihrer Fernverkehrsanbindung
nicht erfreut sein. Deren Klientel reist gerne umsteigefrei an.
Das könnte man über Belassung der Bestandsstrecke regeln.

U***@web.de
2020-10-01 08:37:11 UTC
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Post by p***@yahoo.de
Immer wenn ich mit dem Railjet von Salzburg nach München oder Innsbruck fahre ärgere ich mich über den enormen Zeitverlust zwischen Freilassing und Rosenheim. Ganz besonders schlimm ist eine mir endlos vorkommende Schleife zwischen Bernau und jenem Punkt bei Rosenheim wo die Inntalbahn Richtung Innsbruck abzweigt. Während die Autobahn geradlinig die beiden Orte binnen Minuten verbindet, schlängelt sich die Bahn im Schneckentempo am Chiemsee vorbei. Wenn die Bahnstrecke nur einige Kilometer südlich entlang der Autobahn verliefe, könnten wohl mindestens 20-30 Minuten an Fahrzeit eingespart werden, selbst bei moderaten Geschwindigkeiten von 120-140km/h.
Eine Streckenverkürzung um 40 bis 70 Kilometer erscheint mir
dort nicht machbar, man läge damit im Zweifel unter der
Luftlinienentfernung.

Also brauchst Du eine neue Berechnung mit Schnellfahrerei
auf der Abkürzungsstrecke.
Post by p***@yahoo.de
Damit könnte man auf die geplante Verlegung der Strecke Salzburg-München über Mühldorf verzichten.
Gibt es nicht ein neues Möchtegernprojekt von München
über MUC und irgendwo bei Rosenheim?
Post by p***@yahoo.de
Diese bringt dem innerösterreichischen Verkehr nämlich gar nichts, verzögert sich schon seit Jahren, und soll ja im Endausbau zwischen Salzburg und München auch nur maximal eine halbe Stunde Fahrtzeitverkürzung bringen.
Wenn Österreich ein Interesse an weiteren Ausbaumaßnahmen
zwischen Kufstein und Salzburg nach Errichtung der Rosenheimer
Kurve hat, nur vor!

In Freilassing will man den Bahnhof erst einmal für Halte langer
Fernzüge untauglich machen.

https://www.eba.bund.de/SharedDocs/Downloads/DE/PF/Kapazitaet/Bayern/BY0015K.pdf;jsessionid=B4FCE2B3883D343FAA2E03AA1C3967DE.live21304?__blob=publicationFile&v=2

Berechtigt zu wirksamen Einwendungen sind nicht Du und ich,
sondern nur EVU, die belegen können, dort lange Reisezüge
halten lassen zu wollen.

Ich dachte kurz, das sei nur die DB Fernverkehr, und die
will nicht, wie praktisch, aber es gibt ja neuerdings
auch noch ÖBB-NJ und private Nachtzugkonkurrenz.

Gruß, ULF
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