Discussion:
Heute in der Buchhandlung
(zu alt für eine Antwort)
Ralf Bader
2020-09-15 21:56:40 UTC
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Heute in der Buchhandlung habe ich im neuen Moralbestseller des
hierzuländischen Starphilosophen M. Gabriel geblättert, cf.
https://www.amazon.de/Moralischer-Fortschritt-dunklen-Zeiten-Jahrhundert/dp/3550081944

Zu einem Kauf könnte ich mich, beiläufig bemerkt, auch dann nicht
durchringen, wenn die hübsche Rezension
http://www.kath.ruhr-uni-bochum.de/aktuelles/ph-th/news01017.html.de
zur Hälfte ganz unmoralisch erlogen wäre.

Um zum eigentlichen Thema zu kommen, in dem Buch stieß ich auf längere
Ausführungen zu dem Problem, ob man die Bahn betrügen dürfe. Situation:
Man hat eine IC-Fahrkarte, IC ist verspätet, ein Anschlußzug wäre
deshalb unerreichbar, würde aber noch zu kriegen sein, wenn man mit
einem ICE führe. Nach längeren Überlegungen kommt Gabriel zu dem Schluß,
man würde durch die eigentlich teurere Fahrt mit dem ICE die Bahn gar
nicht betrügen, denn man habe ja einen Anspruch darauf, zu einer
einigermaßen planmäßigen Zeit anzukommen. Frage: Hat man diesen Anspruch
hier nicht ganz offiziell, indem man unter den geschilderten Umständen
die Reise mit einem nicht der Fahrkarte entsprechenden Zug zu einem
guten Ende bringen dürfte (und das Gabrielsche Beispiel somit in der
Luft hängt)?
U***@web.de
2020-09-16 05:43:44 UTC
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Post by Ralf Bader
Um zum eigentlichen Thema zu kommen, in dem Buch stieß ich auf längere
Man hat eine IC-Fahrkarte, IC ist verspätet, ein Anschlußzug wäre
deshalb unerreichbar, würde aber noch zu kriegen sein, wenn man mit
einem ICE führe. Nach längeren Überlegungen kommt Gabriel zu dem Schluß,
man würde durch die eigentlich teurere Fahrt mit dem ICE die Bahn gar
nicht betrügen, denn man habe ja einen Anspruch darauf, zu einer
einigermaßen planmäßigen Zeit anzukommen. Frage: Hat man diesen Anspruch
hier nicht ganz offiziell, indem man unter den geschilderten Umständen
die Reise mit einem nicht der Fahrkarte entsprechenden Zug zu einem
guten Ende bringen dürfte (und das Gabrielsche Beispiel somit in der
Luft hängt)?
Mir war so, als sei dies der Fall, wenn sonst mit zumindest
20 Minuten Zielstationankunftsverspätung zu rechnen sei.
Bodo G. Meier
2020-09-16 07:22:24 UTC
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Post by U***@web.de
Post by Ralf Bader
Um zum eigentlichen Thema zu kommen, in dem Buch stieß ich auf längere
Man hat eine IC-Fahrkarte, IC ist verspätet, ein Anschlußzug wäre
deshalb unerreichbar, würde aber noch zu kriegen sein, wenn man mit
einem ICE führe. Nach längeren Überlegungen kommt Gabriel zu dem Schluß,
man würde durch die eigentlich teurere Fahrt mit dem ICE die Bahn gar
nicht betrügen, denn man habe ja einen Anspruch darauf, zu einer
einigermaßen planmäßigen Zeit anzukommen. Frage: Hat man diesen Anspruch
hier nicht ganz offiziell, indem man unter den geschilderten Umständen
die Reise mit einem nicht der Fahrkarte entsprechenden Zug zu einem
guten Ende bringen dürfte (und das Gabrielsche Beispiel somit in der
Luft hängt)?
Mir war so, als sei dies der Fall, wenn sonst mit zumindest
20 Minuten Zielstationankunftsverspätung zu rechnen sei.
Ich würde in so einem Fall ohne Nachzudenken in den ICE steigen.
Eine 20-Minuten-Grenze für die zu vermeidende Verspätung ist mir unbekannt.

Ich möchte die DB nicht auf die Idee bringen, in ihren AGB eine
"59-Minuten-Grenze" zu definieren, weil sie ab einer Verspätung von 60
Minuten 25% des Fahrpreises erstatten muss. :->

Meiner Meinung nach kann es einem Reisenden nicht zugemutet werden,
unterwegs ständig voraussichtliche Ankunftsverspätungen zu berechnen und
danach seinen nächsten Anschlusszug zu wählen.

Meine persönliche Maxime bei Verspätungen ist: immer möglichst schnell
in Richtung des Reiseziels weiterfahren. Wer weiß, welche Verspätungen
unterwegs noch dazukommen und am Ende kommt man 60 Minuten oder mehr
verspätet am Ziel an.
Dabei ist es einmal vorgekommen, dass ich tatsächlich früher am Ziel
angekommen bin, als ursprünglich geplant.

Gruß,
Bodo
--
Postheroische Vampirkartoffel! (Sepp Ruf in de.rec.fahrrad)
Marc Haber
2020-09-16 07:32:19 UTC
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Post by Bodo G. Meier
Ich würde in so einem Fall ohne Nachzudenken in den ICE steigen.
Das würde ich genauso handhaben. Das allermeiste Zugpersonal wird nach
einer freundlichen Erklärung eine gute Weiterreise wünschen, gerne
auch ohne die Fahrkarte abzuzangen. Und wenn man an einen
Hundertprozentigen an einem Schlechten Tag gerät, kann man das immer
noch mit der Fahrpreisnacherhebungsstelle nachdiskutieren.

Meine Bereitschaft zum "dulde und liquidiere", hier: "Kauf eines
Produktübergangs" ist seit der Anhebung des Bordpreises über die
Unverschämtheitsschwelle und dem immer wieder auftretenden Versuch,
diesen regelwidrig auch für Produkübergänge einzuheben, deutlich
gesunken.

Grüße
Marc
--
-------------------------------------- !! No courtesy copies, please !! -----
Marc Haber | " Questions are the | Mailadresse im Header
Mannheim, Germany | Beginning of Wisdom " |
Nordisch by Nature | Lt. Worf, TNG "Rightful Heir" | Fon: *49 621 72739834
Ulrich Onken
2020-09-16 21:36:38 UTC
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Post by Marc Haber
Post by Bodo G. Meier
Ich würde in so einem Fall ohne Nachzudenken in den ICE steigen.
Das würde ich genauso handhaben. Das allermeiste Zugpersonal wird nach
einer freundlichen Erklärung eine gute Weiterreise wünschen, gerne
auch ohne die Fahrkarte abzuzangen.
Das ist mir genauso oder ähnlich schon viele Male so ergangen, es gab
nie Probleme mit einer höheren Zugkategorie oder einem Umweg, wenn
dadurch die Folgen einer bereits vorhandenen oder angekündigten
Verspätung abzufangen war - eine kurze, plausible Erklärung hat immer
ausgereicht. Übrigens nicht nur bei der DB, sondern auch bei Abellio
oder SBB. Kulanz ist also die Regel, einen "100%igen" habe zumindest ich
noch nie erlebt.

Grüsse
Uli
U***@web.de
2020-09-16 22:11:43 UTC
Permalink
Post by Ulrich Onken
Das ist mir genauso oder ähnlich schon viele Male so ergangen, es gab
nie Probleme mit einer höheren Zugkategorie oder einem Umweg, wenn
dadurch die Folgen einer bereits vorhandenen oder angekündigten
Verspätung abzufangen war - eine kurze, plausible Erklärung hat immer
ausgereicht. Übrigens nicht nur bei der DB, sondern auch bei Abellio
oder SBB. Kulanz ist also die Regel
Die SBB sollen es durchaus geschafft haben,
zu österreichischen Sparschienen ganz ohne
Verspätung horrende Nacherhebungen auszustellen,
weil der darauf abgedruckte Zug nicht Regelweg,
sondern tariflich abweichenden Umleitungsweg fuhr.

Gruß, ULF
Marc Haber
2020-09-17 16:08:00 UTC
Permalink
Post by Ulrich Onken
einen "100%igen" habe zumindest ich
noch nie erlebt.
Ich leider schon, selbst der in Erwartung der Diskussion mitgebrachte
Ausschnitt aus dem Handbuch Zub hat nicht gereicht um die Diskussion
"Bordpreis oder nicht Bordpreis" in meine Richtung zu entscheiden. Das
hat dann wirklich die Beschwerdestelle gebraucht.

Grüße
Marc
--
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Alexandre Kampouris
2020-09-17 20:07:16 UTC
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Post by Ralf Bader
Nach längeren Überlegungen kommt Gabriel zu dem Schluß,
man würde durch die eigentlich teurere Fahrt mit dem ICE die Bahn gar
nicht betrügen, denn man habe ja einen Anspruch darauf, zu einer
einigermaßen planmäßigen Zeit anzukommen. Frage: Hat man diesen Anspruch
hier nicht ganz offiziell, indem man unter den geschilderten Umständen
die Reise mit einem nicht der Fahrkarte entsprechenden Zug zu einem
guten Ende bringen dürfte (und das Gabrielsche Beispiel somit in der
Luft hängt)?
Gibt es nicht Regelungen für solche Fälle, z.B. im CIV beim
internationalen Verkehr? Die Bahn ist auch heutzutage verpflichtet, die
Fahrgäste zu entschädigen, nach der EU-Bahngastrechte-Verordnung. Es ist
dann für sie finanziell vorteilhaft, sich kulant zu zeigen.

Es ist mir circa 2007 passiert, dass mein Zug aus NL über Rotterdam und
Emmerich (WIMRE) sehr verspätet war. Der Anschluss mit dem IC nach
Berlin war nicht mehr zu schaffen.

Ich habe dem ZuB verständigt. Er hat einfach auf meine Fahrkarte
vermerkt, dass sie für die Weiterfahrt mit dem (sonst
reservierungspflichtigen?) ICE-Sprinter gültig war.

Die Alternative wäre eine Übernachtung in Hannover gewesen, oder
dergleichen.

Alexandre

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